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Tuchel ist nicht mehr BVB-Trainer 

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Ein Leben auf der Moosen-Alm

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Landkreis - Das Leben in den Bergen ist hart, aber schön. Einen Einblick in seine Arbeit auf der Moosen-Alm gab jetzt Hans Schwaiger, der auch Gauvorstand der Oberlandler Trachtler ist.

Fast unvorstellbare 580 Hektar Lichtweide auf bayerisch-österreichischem Gebiet umfasst das Gebiet der Moosen-Alm im Karwendelgebiet. Um diese große Fläche tagtäglich zu beschauen, braucht es einen Almerer, der wahrlich sportlich-fit ist. Einer der beiden Almbetreuer auf der Moosen-Alm ist der 63 Jahre alte Hans Schwaiger, Erster Gauvorstand des Oberlandler Gauverbandes. Wie das zeitintensive Ehrenamt zum Wohle von 49 Trachtenvereinen mit rund 14.500 Mitgliedern und die Erfüllung der Alm-Aufgaben zusammenpassen, erläuterte Hans Schwaiger bei einem Almbesuch.

Der heurige Almsommer ist reich an Sonnentagen. So auch beim Anstieg von der Oswaldhütte, die zwischen Vorder- und Hinterriß liegt. Etwas mehr als auf dem Hinweisschild steht, gut eineinhalb Stunden geht es auf gut hergerichteten Forststraßen steil hinauf von 900 Metern auf dann 1.600 Metern. Oben am kleinen, eingezäunten Parkplatz angekommen sieht man neuerdings einen mit viel Gespür festen, hergerichteten Weg zu den Moosenalmen. Noch bis zum Vorjahr mussten Hans Schwaiger, seine Familie oder andere Almleute den letzten Weg mit Kraxen zurücklegen. „Ganze Tage des Tragens waren notwendig, um die Hütten zu versorgen und vor 15 Jahren mussten wir die 5,5 Kilometer lange Strecke vom Tal bis zur Alm in ganzer Länge noch ganz ohne Fahrzeuge bewältigen, erst der Bau der Forststraße brachte Erleichterung“, so Hans Schwaiger, der eine ordentliche Versorgung der Almen mit Fahrzeugen für zeitgemäß und unersetzlich hält. „Überschützen wir die Almen und lassen eine Versorgung nicht mehr zu, so unterschätzen wir die Folgen in der Natur, denn die Bewahrung der Almen und der Almlandschaften geht nur, wenn Leute oben auf dem Berg leben und Hand anlegen“.

Seit 15 Jahren dient Hans Schwaiger den vier Almbauern auf den Moosenalmen. 150 Jungrinder, 3 Rösser und 61 Schafe (zum Teil als Annimm-Vieh) halten sich im weiten Almgebiet auf einer Höhe von 1.600 Höhenmetern bis 2.100 Höhenmetern auf. Die über die Jahrhunderte gealterte und durch Murmeltiere im Untergrund schwer beschädigte Almhütte bietet keinerlei Komfort und ist auch nicht für Besucher, die eine Bewirtschaftung wünschen, ausgerichtet. Das Wasser muss einige Hundert Meter entfernt kanisterweise geholt werden und die Almleute nutzen diese auch für einfache Duschen („Da muss halt einer Schmiere stehen“ – so die Almleute zum Duschvorgang). Aufgrund des maroden Bauzustands der Almhütte soll diese in nächster Zeit erneuert werden, aber die äußere Fassade soll erhalten werden. In den ersten Jahren war Hans Schwaiger, der als Installateur keine „landwirtschaftliche Laufbahn“ hatte, immer vier Wochen in den Sommerferien auf der Alm. „Einmal Moosen – immer Moosen“ – so der alm-infizierte Hans Schwaiger in seinem Rückblick und von seiner Faszination, die ihm der erste Aufenthalt bescherte.

Das weite Weidegebiet zwischen Karwendel und Schafreuter braucht viel Zeit zum Abgehen. Runde sechs Stunden mit viel Auf und Ab sind notwendig, um alle Tiere aufzuspüren und nachzuzählen. Ihm hilfreich zur Seite steht sein Nachbar-Almbetreuer Richard Hohenreiter, mit dem er sich „blendend“ versteht und der ebenfalls täglich mehrere Stunden unterwegs ist und noch zusätzliche Arbeitsmaßnahmen wie Ausmähen, Schwenden oder Steine-Glauben verrichtet. Natürlich hat es auch schon sorgenvolle Tage und Tier-Schicksale gegeben. Aber insgesamt zeigt sich Hans Schwaiger zufrieden mit dem heurigen Almverlauf. „Heute fand ich eine Gams, die an der sogenannten Gamsblindheit litt, abstürzte und verendete. Das sind dann schon schmerzhafte Momente“, so der Almbetreuer, der in der gesamten Almzeit von seiner Frau Rosi und in den Ferien von seinen Enkelkindern unterstützt wird.

Gauvorstand Hans Schwaiger auf der Moosen-Alm

Auch denen fehlt da droben auf dem Berg nichts, weder Computer noch Fernsehen. Hans Schwaiger hat hierfür eine einfache, aber überzeugende Erklärung: „Hinausschauen beim Fenster oder in die Berglandschaft – das ist unser Fernseher“. Falls auf der Alm Bekannte vorbeikommen, dann ist immer Zeit für einen Ratsch oder für ein „Hüter-Schnapserl“. Langeweile gibt es nicht. Wenn die Tagesarbeiten mit dem langem Kontrollgang und zeitweiligen Mäh- und anderen Arbeitseinsätzen vorbei sind, dann freut sich Hans Schwaiger auf das von seiner Frau zubereitete Mittagessen (heuer mit nur ganz wenig Reherl- und Steinpilz-Genüssen) und die darauf folgende Mittags-Ruhe. „Von 17 Uhr bis 18 Uhr richte ich es mir ein, dass ich telefonisch erreichbar bin“, so der Gauvorstand, der natürlich viele Termine zu koordinieren hat. Bei den Ausmachungen mit seinem Gauausschuss ist es wichtig, dass diese klar und verlässlich sind. „Wenn besondere Termine sind, komme ich ins Tal und zu den mir gestellten Aufgaben“, sagt Hans Schwaiger, der seine geistigen und schriftlichen Vorbereitungen in aller Alm-Ruhe tätigen kann.

Zwischendurch organisiert er auch gerne ein Almerer-Treffen, zum Beispiel auf der rund einer Stunde entfernten Tölzer Hütte. Denn –so Hans Schwaiger – der Austausch mit Nachbarn und Gleichgesinnten hoch droben auf dem Berg gehört einfach zum Almleben dazu.

Quelle: rosenheim24.de

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