Kunstwerk "NaziSexyMouse" provoziert

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Dieses und andere Bilder des Künstlers Max Papeschi provozieren die Menschen in Polen, weil dorf die Erinnerung an die Nazi-Zeit noch sehr präsent ist.

Warschau - Ein Bild einer nackten Frau mit einem Micky-Maus-Kopf sorgt in der westpolnischen Stadt Posen (Poznan) für Aufregung. Denn hinter der Figur prangt ein riesiges Hakenkreuz.

Mit dem an einer Hausfassade in der Innenstadt aufgehängten Banner wirbt eine Kunstgalerie für eine kommende Ausstellung. Doch das Bild des italienischen Künstlers Max Papeschi stößt in Polen, wo die Nationalsozialisten Millionen Menschen ermordeten, auf Empörung. “Diese künstlerische Provokation verletzt die Gefühle vieler Menschen“, sagt der Stadtrat Norbert Napieraj. Er hat deswegen bereits Anzeige erstattet.

Doch die Staatsanwaltschaft lehnte es ab, gegen das Plakat vorzugehen. Begründung: Bei dem Bild handele es sich um ein Kunstwerk, und somit verstoße es auch nicht gegen die polnischen Gesetze gegen die Verherrlichung des Nationalsozialismus. Unbekannte haben sich zwischenzeitlich des Plakats angenommen. Bereits zweimal wurde es ein Opfer von Vandalen.

Erinnerung an Naziherrschaft noch sehr präsent

Mehrmals wurde das Werbeplakat für die Ausstellung schon Opfer von Vandalen. Aber es wird immer wieder aufgehängt.

Diese Reaktionen zeigen, das “NaziSexyMouse“-Bild erregt die Gemüter. Zumal in der polnischen Gesellschaft die Erinnerung an die Zeit der Naziherrschaft noch sehr präsent ist. Unter deutscher Besatzung kamen etwa sechs Millionen Polen, darunter rund drei Millionen Juden, in Konzentrationslagern und Ghettos ums Leben. Das Plakat hängt nur wenige Meter von der Synagoge entfernt, die während der deutschen Besetzung als Schwimmbad genutzt wurde. Beim ersten Anblick des Bildes sei sie mit Ekel erfüllt gewesen, sagt die 64-jährige Alicja Kobus, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde. “Es ist ein Schock für alle Menschen, die noch immer vor der Hölle des Holocaust Angst haben“, sagt sie.

Beruhigende Wirkung verwandelt sich in Alptraum

Auch in seinem Heimatland Italien haben Papeschis Bilder Kontroversen ausgelöst. Auf seinen Internetseiten erklärt er, wie seine “politisch inkorrekten“ Werke zu verstehen sind. Die Bilder, in denen er amerikanische Comicfiguren mit Bildern der Zerstörung und des Krieges collagiert, seien ein Kommentar zu den USA. Sie entblößten den “ganzen Schrecken dieser Lebensart“, heißt es da. In seinen Bildern - sei es Micky Maus als Nazi oder Ronald McDonald als waffenstarrender G.I. im Irak - verlören Kulturikonen “ihre beruhigende Wirkung und verwandeln sich in einen kollektiven Alptraum.“

Am Dienstag war das Banner erneut heruntergerissen. Doch am Donnerstagabend hing es wieder an seinem alten Platz. Die Direktorin der Posener Abnormals Gallery, Maria Czarnecka, hat es wieder aufhängen lassen. “Kunst soll provokativ und kontrovers sein“, sagte sie der Nachrichtenagentur AP. Dabei betont sie, dass das Bild eben nicht den Nationalsozialismus propagieren soll, sondern dass es die Bedeutung von Symbolen und ihre Wirkung auf Menschen ausloten soll. “Der Micky-Maus-Kopf und das Hakenkreuz stehen dabei auf einer Stufe - sie haben keine ihnen eigene Bedeutung mehr und sind Teil der globalisierten Welt“, sagt Czarnecka.

“Für jüngere Menschen nur ein Scherz“

Das Bild “NaziSexyMouse“ war im Frühjahr in einer Ausstellung der Schwestergalerie des Posener Hauses in Berlin zu sehen. Dort hat es keinen Skandal ausgelöst. Allerdings war es auch nicht metergroß über die Front des Hauses gespannt. Ältere Menschen könnten die Kombination von Popkultur-Symbolen wie Micky Maus und historischen Symbolen wie dem Hakenkreuz nicht als Satire einordnen, sagt die Managerin der Berliner Abnormals Gallery, Agnes Kaplon.

“Für die jüngere Generation ist das Bild nur ein Witz. Manche älteren Menschen fanden es nicht witzig, aber niemand hat sich beschwert, dass es eine Verherrlichung der Nazizeit sei.“ Max Papeschi ist einer von 31 Künstlern, deren Werke in der Ausstellung “Abnormal Nudes“ vom 4. September an in der Abnormals Gallery in Poznan gezeigt werden sollen. Einige Bilder aus der Ausstellung, darunter auch “NaziSexyMouse“, sind seit dem 9. Juli bis zum 1. August auch im Kulturhaus Tacheles in Berlin Mitte zu sehen.

dapd

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