Lebenslänglich für Mord an Abtreibungsarzt

+
Scott Roeder hatte den Mord an einem US-Abtreibungsarzt gestanden und wurde nun zu lebenslänglicher Haft verurteilt.

Wichita/USA - Für den Mord an einem Abtreibungsarzt hat ein Gericht im US-Staat Kansas einen 52-Jährigen zu lebenslanger Haft verurteilt, die Begnadigung ist erst in 50 Jahren möglich.

Frühestens nach 50 Jahren könnte der Täter auf Bewährung freikommen, entschied Richter Warren Wilbert am Donnerstag zehn Monate nach der Ermordung des Arztes George Tiller. Er verhängte damit die höchstmögliche Strafe.

Der verurteilte Scott Roeder hatte den Mord gestanden und erklärt, er habe sich dazu gezwungen gesehen, um ungeborene Kinder zu schützen. Roeder hatte den prominenten und umstrittenen Abtreibungsarzt am 31. Mai vergangenen Jahres im Vorraum einer Kirche in Wichita erschossen. Er wurde bereits im Januar des Mordes für schuldig befunden worden, Wilbert verkündete nun das Strafmaß.

Als strafverschärfend wertete er, dass Roeder dem Arzt nachgestellt habe und er ihn in einer Kirche tötete, einem “Ort des Friedens und der Ruhe“. Nach der Tat ist es für Schwangere schwieriger geworden, in Kansas abzutreiben. Tillers Klinik ist geschlossen - sie war die letzte in Kansas, die Schwangerschaftsabbrüche nach der 21. Woche durchführte.

Zudem bemühen sich konservative Abgeordnete, das Abtreibungsgesetz des Staates zu verschärfen. “Die nationale Bewegung gegen Abtreibung hat hier einen großen Sieg erzielt“, sagte Warren Hern, ein langjähriger Freund des Getöteten, der selbst in Colorado Schwangerschafts-Spätabbrüche durchführt. “Sie haben genau das erreicht, was sie wollten.“ Der Anwalt von Tillers Familie, Lee Thompson, bezeichnete die Tat als einen Fall von Inlandsterrorismus. Schwangere müssen für Spätabbrüche von Kansas nach Albuquerque in New Mexico und Boulder (Colorado) ausweichen. Im ganzen Staat gibt es nur noch drei Krankenhäuser, wo Frauen bis zur 21. Woche abtreiben können.

Früher seien viele Schwangere für Abtreibungen nach Kansas gekommen, sagt Kari Ann Rinker vom nationalen Frauenverband NOW. “Jetzt kommen sie nicht mehr hierher, weil Dr. Tiller getötet wurde.“ Für radikale Abtreibungsgegner ist der Mörder Tillers ein Held. Roeder habe sein Leben geopfert, um ungeborene Kinder zu retten, sagte der Geistliche Don Spitz, der auf seiner Website Gewalt gegen Abtreibungsärzte befürwortet.

Für gemäßigtere Abtreibungsgegner hat Roeder ihrem Anliegen einen Bärendienst erwiesen. “Das war ein Rückschlag für die Bewegung für das Leben“, sagt Troy Newman von der Organisation Operation Rescue. Tiller war bereits mehrfach Ziel von Anschlägen und Protestaktionen gewesen. 1993 schoss ihm ein Angreifer in beide Arme, 1985 explodierte ein Sprengsatz in seinem Krankenhaus.

Roxana Hegeman

Zurück zur Übersicht: Welt-News

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser