Böller und Gewalt

Zahlreiche Tote und Verletzte an Silvester

Ammerbuch - Beim Abbrennen eines Feuerwerks in der Silvesternacht ist ein 31-Jähriger nach Behördenangaben in Baden-Württemberg ums Leben gekommen. Er war leider nicht der einzige Tote dieser Nacht.

Wie er sich genau verletzte und ob er die Rakete selbst angezündet hat, konnte eine Sprecherin der Tübinger Polizei am Mittwoch zunächst nicht sagen. Bislang stehe nur fest, dass der Mann kurz nach Mitternacht mit anderen Leuten auf einem Wiesengelände in Ammerbuch unterwegs war, um von dort das Feuerwerk zu beobachten und selbst Böller und Raketen zu zünden. Dabei sei es zu dem tödlichen Unglück gekommen.

Ein zweiter Mann kam in Niedersachsen beim Hantieren mit einem sogenannten Polenböller ums Leben. Der 36-Jährige wollte nach Angaben der Polizei einen Polenböller in einem eingegrabenen Rohr auf einer Wiese bei Rotenburg/Wümme zur Detonation bringen. Der Böller explodierte wohl zu früh und verletzte den Mann so schwer, dass eine Notärztin nur noch den Tod des 36-Jährigen feststellen konnte. Ob der Knaller legal in Deutschland verkauft Sprengkörper wurde, ist nach den Worten von Polizeisprecher Heiner van der Werp noch unklar. „Polenböller sind anders zusammengemischt, sie haben eine wesentlich stärkere Sprengkraft“, sagte er.

Ein tödliches Ende fand die Silvesternacht auch für einen 28-Jährigen in Heidelberg. Der junge Mann war auf der Suche nach der besten Sicht auf das Feuerwerk über der Stadt und ist deshalb zusammen mit anderen auf ein Hallendach geklettert. Dort brach eine Glasdecke unter seinem Gewicht ein und er stürzte etwa acht Meter in die Tiefe. Der 28-Jährige erlag kurz nach dem Unfall seinen schweren Verletzungen. 

Mann stirbt nahe Wien an Verletzungen durch Feuerwerkskörper

Auch einen 53-Jährigen ereilte nahe Wien ein ähnlich tragisches Schicksal. Der Mann hatte nach Angaben der Polizei versucht, einen Pyrokörper zu zünden. Als dieser nicht losging, habe sich der 53-Jährige darüber gebeugt. In dem Moment explodierte der Feuerwerkskörper. Der Mann sei noch am Unglücksort seinen schweren Kopfverletzungen erlegen.

Ein explodierender Feuerwerkskörper kostete zudem einen 29-Jährigen in Sarre-Union im Elsass das Leben.

Sieben Tote in Frankreich

Bei Silvesterfeiern hat es in Frankreich sieben Tote durch Gewalt, Feuerwerk und einen Unfall gegeben. In Paris wurde ein 20-Jähriger bei einem Streit mit einem Messerstich getötet. Zu dem Zwischenfall kam es nach Angaben des Innenministeriums vom Mittwoch, als Jugendliche eine Begleiterin des Opfers ausrauben wollten. Innenminister Manuel Valls verurteilte die Gewalttat. Im Elsass starb ein 29-Jähriger an Verletzungen, die ein Feuerwerkskörper verursacht hatte.

Zwei 25-Jährige und eine 18-Jährige starben in Rians (Südfrankreich) in der Silvesternacht vermutlich an den Folgen einer Kohlenmonoxidvergiftung, die durch ein defektes Heizgerät verursacht wurde. Der Besitzer fand die jungen Leute am Morgen tot in einem Anbau seines Hauses.

Zwei weitere Männer im Alter von 31 und 45 Jahren wurden nach Medienberichten in Grenoble und im Elsass bei Streitigkeiten getötet. Ein Angreifer wurde festgenommen, wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Ermittler berichtete.

Auch Verletzte gab es in der Silvesternacht viele - ob durch Raketen, Gewalt oder Unfälle. Ein 23 Jahre alter niederländischer Tourist stürzte in der Nacht zum Neujahrstag in Hessen vom Balkon eines Hotels. Er fiel vier Stockwerke in die Tiefe und verletzte sich beim Aufprall auf dem Boden schwer. Laut Polizei ist sein Zustand kritisch. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte der 23-Jährige Alkohol getrunken und wollte auf dem Balkon des Hotels in Willingen eine Zigarette rauchen. Wie es allerdings zu dem Sturz kam, war zunächst unklar.

Viele schwere Verletzungen durch Böller in Berlin

Beim Hantieren mit Böllern haben sich in der Silvesternacht allein in der Hauptstadt Berlin mehrere Menschen schwer verletzt. „Es gab mit 15 Fällen ungewöhnlich viele Brand-Verletzte, einige wurden mit schwersten Verbrennungen eingeliefert“, sagte die Sprecherin des Unfallkrankenhauses Berlin, Angela Kijewski, der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch.

Zwei Jugendliche hätten Verbrennungen im Gesicht erlitten, als sie sich über eine Sprengkörperbatterie beugten. Zwei 14-jährige Mädchen seien durch Raketen angeschossen worden, sie hätten Verbrennungen an Kopf, Ohr und Bein davongetragen. Eine 22-Jährige habe sich selbst angezündet. Ein Mann sei über ein Silvesterfeuer gesprungen und habe sich dabei Teile des Körpers verbrannt.

Feuerzangenbowle verletzt Gäste bei Silvesterparty

Ärzte und Schwestern kümmerten sich auch um 13 schwere Hand-Verletzungen durch Knallkörper, wie die Sprecherin sagte. Ein 31-Jähriger, der im Stadtteil Pankow einen in Deutschland nicht zugelassenen Böller zünden wollte, habe „sich eine komplette Hand weggesprengt“.

In Aalen hat außerdem eine Feuerzangenbowle auf einer Silvesterparty drei Gästen verletzt. Eine 20-Jährige hatte nach Polizeiangaben versucht, 73-prozentigen Rum in die brennende Bowle nachzugießen. Dabei schlugen die Flammen auf die Flasche über, die sofort platzte und die Frau sowie einen weiteren Partygast in Aalen schwer verletzte. Ein Dritter, der das Gemisch löschen wollte, erlitt Brandwunden an der Hand. Die Verletzten wurden in eine Klinik gebracht. Die Polizei sprach am Mittwoch von einem „unsachgemäßen Umgang“ mit dem hochprozentigen Alkohol.

Dutzende Verletzte durch Feuerwerk in Italien - Kind verliert Hand

Auch beim traditionellen Silvesterfeuerwerk in Italien sind in der Nacht zu Mittwoch zahlreiche Menschen verletzt worden. In Mailand wurden nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa zwei Kinder durch Knallkörper verletzt, einem Siebenjährigen musste die rechte Hand amputiert werden. In der Hauptstadt Rom mussten die Rettungskräfte zu fast 300 Einsätzen ausrücken, insgesamt gab es sieben Schwerverletzte. Einem Mann musste auch dort eine Hand abgenommen werden.

Die meisten Verletzten meldeten die Behörden in der süditalienischen Stadt Neapel und Umgebung mit 51, darunter 8 Kinder. Oft erlitten die Betroffenen durch Feuerwerkskörper Verletzungen an den Händen oder im Gesicht, vor allem an den Augen. In Italien kämpft die Polizei seit Jahren gegen illegale und selbst gebastelte Feuerwerkskörper.

dpa/Afp

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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