Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Gaddafi meldet sich mit zweiter Audiobotschaft

Tripolis - Der untergetauchte Diktator Gaddafi hat in einer zweiten Audiobotschaft mit einer langen Schlacht gedroht. Kanzlerin Merkel kündigte unterdessen umfangreiche Hilfen an. Nicht alle unterstützen sie dabei.

Lesen Sie dazu auch:

Merkel: Eine Milliarde Euro für Libyen freigegeben

Gaddafis Ministerpräsident läuft zu Rebellen über

Gaddafi droht mit erbittertem Widerstand

Libyen kann auf seinem Weg in eine neue Zukunft auf breite Unterstützung der Weltgemeinschaft setzen. Vertreter von rund 60 Staaten und internationalen Organisationen versprachen den neuen Machthabern am Donnerstagabend in Paris Hilfe beim Wiederaufbau des Landes. Eingefrorene Gelder des alten Gaddafi- Regimes sollen rasch bereitgestellt werden. Doch während sich der Übergangsrat in Libyen um eine Stabilisierung der Lage bemüht, zeigt sich der untergetauchte Diktator Muammar al-Gaddafi weiter kämpferisch. In zwei kurz aufeinanderfolgenden Audiobotschaften rief er seine Anhänger aus seinem Versteck zum Kampf auf.

“Bereitet euch auf eine lange Schlacht vor“, rief Gaddafi seinen Anhängern laut dem arabischen Sender Al-Dschsira in einer am Donnerstagabend vom syrischen Al Rai TV ausgestrahlten Audiobotschaft zu. Es war das zweite Mal innerhalb weniger Stunden, dass er sich zu Wort meldete. “Wir werden in jedem Tal, in jeder Straße, in jeder Oase und jeder Stadt kämpfen“, habe Gaddafi mit Blick auf die Stämme in seiner Geburtsstadt Sirte und der Wüstenstadt Bani Walid gesagt. Letztere gilt als mögliches Versteck des 69-Jährigen und seines Sohnes Saif al-Islam Gaddafi. Weiter sagte er laut Al-Dschasira: “Die imperialistischen Mächte“ wollten das libysche Volk unterjochen und sich seiner Bodenschätze bemächtigen. “Wir streben lieber als uns unter westliche Kontrolle zwingen zu lassen“.

Deutschland wird der neuen libyschen Führung eine Milliarde Euro aus bislang eingefrorenen Geldern des alten Regimes zur Verfügung stellen. Die Vereinten Nationen hätten die Gelder freigegeben, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach der Libyen-Konferenz in Paris.

Nach Angaben des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, der zusammen mit dem britischen Premier David Cameron zu der Konferenz im Élysée-Palast eingeladen hatte, sind mittlerweile insgesamt rund 15 Milliarden Dollar (ca 10 Mrd Euro) libyscher Gelder freigegeben.

Der Gaddafi-Clan verfügte bis zum Bürgerkrieg über ein riesiges Vermögen im Ausland. Allein in Deutschland wurden nach der Verhängung der UN-Sanktionen rund 7,3 Milliarden Euro eingefroren. Weltweit sind es schätzungsweise mehrere Dutzend Milliarden Euro.

So luxuriös lebte der Gaddafi-Clan

So luxuriös lebte der Gaddafi-Clan

Rebellen posieren im Eingangsbereich der Villa von Gaddafis Tochter Aisha auf einer goldenen Meerjungfrauen-Couch für ein Foto. © dpa/ap
Das Archivbild aus dem Jahr 2005 zeigt Gaddafis Tochter Aisha kurz vor einer Rede. © dpa/ap
Der Eingangsbereich ihres Hauses aus der Vogelperspektive © dpa/ap
Die Villa verfügt außerdem über einen riesigen Swimmingpool © dpa/ap
Auch eine kleine Bibliothek gehört zu dem Anwesen © dpa/ap
Rebellen machen sich an den Kleidern zu schaffen, die sie im Haus von Aisha Gaddafi gefunden haben © dpa/ap
Ein holzvertäfelter Raum mit Kleidern und anderen persönlichen Gegenständen wird von den Rebellen auf den Kopf gestellt © dpa/ap
Auch persönliche Fotos von Gaddafi-Tochter Aisha sind vor den Rebellen nicht sicher © dpa/ap
Ein Zimmer im Haus von Gaddafis Sohn Saif al-Islam © dpa/ap
Von vielen Zimmern der Villa hat man einen wunderschönen Panoramablick auf das Meer und den Strand © dpa/ap
Eine luxeriöse Whirlpool-Badewanne rundet die Einrichtung im Haus von Gaddafis Sohn Saif al-Islam ab © dpa/ap
In einem der Zimmer haben die Rebellen die Verpackung einer Magnum-Flasche treuen Champangners gefunden. © dpa/ap
Ein Kinderzimmer im Anwesen von Saif al-Islam, einem der Söhne von Gaddafi © dpa/ap
Auf einer Art Veranda der Villa befindet sich ein Jacuzzi © dpa/ap
Ein anderer Sohn des ehemaligen Diktators, Al-Saadi Gaddafi, hat Zellen in sein Haus einbauen lassen © dpa/ap
Auch er besaß eine Villa am Strand © dpa/ap
Rebellen haben sich auf der weitläufigen Terrasse des Anwesens von Moammar Gaddafi positioniert © dpa/ap
Rebellen haben sich auf der weitläufigen Terrasse des Anwesens von Gaddafi positioniert © dpa/ap
Eine Außenaufnahme der Villa von Gaddafi © dpa/ap
Ein großzügiger Raum in der Villa von Gaddafi-Sohn Al-Saadi © dpa/ap
Ein großzügiger Raum mit Meerblick in der Villa von Gaddafi-Sohn Al-Saadi © dpa/ap
Der Sohn des bisherigen libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi, Al Saadi, mochte schnelle Wagen, Yachten und Fussball. Seine Anwesen am Strand zeugte von seinen teuren Hobbys. © dpa/ap
Das Bild zeigt Safiya, die Frau von Gaddafi © dpa/ap
Das Archivfoto aus dem Jahr 2008 zeigt den ehemeligen Diktator Gaddafi © dpa/ap

Um einen raschen Wiederaufbau in Libyen zu ermöglichen, sollen die durch Sanktionen eingefrorenen Gelder nun so schnell wie möglich wieder freigegeben werden. Etliche Staaten wie Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die USA bemühen sich derzeit darum, der Übergangsregierung zumindest Teilbeträge zur Verfügung zu stellen. Eine komplette Freigabe der Gelder verhindern derzeit noch die UN-Sanktionen. Teilzahlungen können aber durch Eilanträge bewilligt werden.

Merkel sprach sich dafür aus, die Sanktionen gegen Libyen schnell aufzuheben. “Ich habe das unterstützt“, sagte die Kanzlerin. Man müsse wieder eng und ganz normal zusammenarbeiten können. Die Kanzlerin sagte den Libyern zu, bei der Ausarbeitung einer Verfassung zu helfen. “Ich habe angeboten, dass wir mit unserer Erfahrung einer deutschen Diktatur auch helfen können, Vergangenheit friedlich aufzuarbeiten“, erklärte Merkel.

Darüber hinaus will sich Deutschland vor allem beim Wiederaufbau engagieren. “Unsere konkrete Hilfe kann darin bestehen, dass wir sehr akute Hilfe leisten was Krankenhäuser anbelangt, was die Wasserversorgung anbelangt, was Transporte anbelangt“, sagte Merkel. Längerfristige Hilfe sei beim Aufbau der Infrastruktur möglich.

Bundesentwicklungshilfeminister Dirk Niebel will Libyen kein Geld für Entwicklungshilfe geben. “Libyen ist kein klassisches Entwicklungsland“, sagte der FDP-Politiker der Düsseldorfer “Rheinischen Post“ (Freitagausgabe) laut Vorabbericht. Er habe für die Versorgung der Bevölkerung bereits im Juni sieben Millionen Euro Nothilfe zugesagt. “Darüber hinaus wird es keine bilaterale Entwicklungszusammenarbeit geben“, sagte er.

Niebel sagte, Libyen sei ein reiches Land, das sich technische Unterstützung einkaufen könne - und zwar “sehr gerne bei uns.“ Jetzt sei es wichtig, die deutsche Wirtschaft für ein langfristiges Engagement in Libyen zu gewinnen.

Rebellen in Libyen: Sie kämpfen gegen Gaddafi

Rebellen in Libyen: Sie kämpfen gegen Gaddafi

In einem Vorort von Bengasi treten Rebellen ein Plakat von Libyens Diktator Muama al-Gaddafi mit Füßen. © AP
Rebellen fahren auf einer Straße in Bengasi in einem Wagen, auf dem ein Geschütz montiert ist. © AP
Rebellen auf einer Straße in Bengasi. © AP
Rebellen fahren auf einer Straße in Bengasi in einem Wagen, auf dem ein Geschütz montiert ist. © AP
Rebellen in Bengasi auf einem erbeuteten Panzer. © AP
Südlich von Bengasi betet ein Rebell (rechts). Vor sich auf den Boden hat er seine Waffe gelegt. Der Mann links im Bild beugt sich über das Grab seines getöteten Bruders. © AP
Rebellen bei Bengasi. © AP
Rebellen bei Bengasi. © AP
Rebellen vor Bengasi. © AP
Rebellen bei Bengasi schützen sich gegen den Wind. © AP
Ein Rebell südlich von Bengasi. © AP
Ein Rebell betet südlich von Bengaisi nahe der Front. © AP
Ein Rebell kommt südlich von Bengasi an die Front. © AP
Ein Rebell auf Patrouille südlich von Bengasi. © AP
Ein Rebell auf Wache in einem Vorort von Bengasi. © AP
Rebellen haben südlich von Bengasi gehalten. Sie wurden von den Truppen Gaddafis mit Mörsern beschossen. © AP
Rebellen gehen südlich von Bengasi in Deckung. Sie wurden von den Truppen Gaddafis mit Mörsern beschossen. © AP
Rebellen auf einem Fahrzeug südlich von Bengasi. Sie wurden von den Truppen Gaddafis mit Mörsern beschossen. © AP
Diese Männer haben in einem Leichenschauhaus in Bengasi ein getötetes Familienmitglied identifiziert. © AP
Südlich von Bengasi sprechen Rebellen miteinander bevor sie an die Front gehen. © AP

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach sich in Paris für eine UN-Präsenz in Libyen aus. “Ich werde eng mit dem Sicherheitsrat zusammenarbeiten, um ein Mandat für eine UN-Mission zu entwerfen. Der Einsatz sollte so bald wie möglich beginnen“, sagte Ban laut Redemanuskript.

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen unterstrich, dass das Militärbündnis entschlossen sei, den Libyen-Einsatz fortzuführen, solange es dort Angriffe und Bedrohungen gebe, “jedoch keinen Tag länger als nötig“. Er unterstrich die erfolgreiche Umsetzung des UN-Mandats. “Gleich von Beginn an hat unser Einsatz das libysche Volk geschützt“, sagte Rasmussen. “Wir haben es geschafft, ein Massaker zu verhindern, und zahllose Leben wurden gerettet.“

Gaddafi warf den “imperialistischen Mächten“ vor, das libysche Volk unterjochen und sich seiner Bodenschätze bemächtigen zu wollen. “Wir sterben lieber als uns unter westliche Kontrolle zwingen zu lassen“, zitierte Al-Dschasira aus Gaddafis zweiter Audiobotschaft. Wenige Stunden zuvor hatte er seine Anhänger in einer ersten Tonbandaufnahme bereits aufgerufen, das “Land zu befreien“. “Geht, greift zu den Waffen und kämpft“, rief Gaddafi am 42 Jahrestag seiner Machtergreifung.

Derzeit versuchen die libyschen Rebellen, Sirte ohne Blutvergießen unter ihre Kontrolle zu bringen. Ein Ultimatum, wonach sich die letzten Gaddafi-Getreuen in der 75 000 Einwohner-Stadt bis Samstag ergeben sollen, wurde nach Medienberichten um eine Woche verlängert.

Sirte ist die letzte libysche Stadt entlang der Küste von der Grenze zu Ägypten bis nach Tunesien, die noch nicht in Hand der Rebellen ist. Über weite Teile des dünn besiedelten Südens haben sie dagegen noch keine Kontrolle.

dpa/dapd

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare