Täter war französsicher Staatsbürger

Nach Messerattacke in Paris: Polizei nimmt möglichen Komplizen ins Visier

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Am Samstagabend attackierte ein Franzose Passanten in der Pariser Innenstadt.

Ein Messerangriff in der Innenstadt erschüttert Paris. Die Behörden hatten den Täter als extremistischen Gefährder eingestuft.

Update vom 20. Juli 2018: Messerangriff in Deutschland

Auch in Deutschland hat sich eine schockierende Gewalttat ereignet. Es kam in Lübeck zu einer Messerattacke mit mehreren Verletzten.

14. Mai 2018 - 17.59 Uhr: Nach dem tödlichen Messerangriff in Paris haben die Behörden einen möglichen Komplizen des Täters ins Visier genommen. Ein Freund des 20-jährigen Islamisten wurde am Montag aus dem Polizeigewahrsam in Straßburg zum Sitz des Inlandsgeheimdienstes DGSI nahe Paris gebracht, wie aus Ermittlerkreisen verlautete. Auch die Eltern des Angreifers befanden sich weiterhin in Gewahrsam. Politiker aus dem rechten Lager forderten eine bessere Prävention.

Der in Tschetschenien geborene Täter war am Samstag von der Polizei erschossen worden, nachdem er in einem Ausgehviertel in der französischen Hauptstadt einen Mann getötet und vier weitere Menschen verletzt hatte. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) beanspruchte die Tat für sich.

Der verdächtige Freund ist wie der Täter 1997 geboren und tschetschenischer Abstammung. Er wurde am Sonntag in Straßburg festgenommen, wo beide auf dieselbe Schule gegangen waren.

Der Freund hatte bei einer Befragung in Polizeigewahrsam geleugnet, zuletzt Kontakt mit dem Angreifer gehabt zu haben, wie es von den Ermittlern weiter hieß. Demnach stellte er sich als moderater Muslim dar. Der Inlandsgeheimdienst beobachtet den Freund allerdings seit seiner Hochzeit mit einer Islamistin, die im vergangenen Jahr nach Syrien ausreisen wollte und im Verdacht steht, einer Gruppe mit terroristischen Zielen angehört zu haben.

Die Meldungen vom 13. Mai 2018 in der Übersicht

17:58 Uhr: Der Terrorverdächtige wurde 1997 in der Teilrepublik Tschetschenien im russischen Nordkaukasus geboren und war französischer Staatsbürger, wie Ermittlerkreise der Deutschen Presse-Agentur bestätigten. Fahnder nahmen seine Eltern am Sonntagmorgen in Gewahrsam. Zudem sei ein Freund des Verdächtigen in Straßburg zur einer Befragung festgenommen worden. Der mutmaßliche Attentäter hatte laut Medien sein Abitur in der ostfranzösischen Stadt abgelegt und war erst unlängst mit seinen Eltern in die Hauptstadtregion gekommen.

11.08 Uhr: 

Bei zwei der in Paris verletzten Opfer handelt es sich um einen 34-jährigen Mann und eine 54-jährige Frau. Die beiden werden aktuell im Krankenhaus behandelt und seien nach Angaben der Polizei außer Lebensgefahr. Ein 29-Jähriger wurde getötet. Demnach ging der Angreifer mit dem Messer auf drei herbeigeeilte Polizisten los. Einer von ihnen habe zunächst eine Elektroschock-Waffe gegen den Angreifer eingesetzt. Ein weiterer Beamter habe dann zwei Schüsse abgegeben, die den Angreifer tödlich getroffen hätten. Premierminister Edouard Philippe begab sich am Samstagabend in das zuständige Polizeikommissariat und lobte "die außerordentliche Reaktion" der Polizei. Fünf Minuten nach dem Notruf seien die Beamten vor Ort gewesen, neun Minuten nach dem Notruf sei der Täter tot gewesen. Die Schnelligkeit der Polizei "hat aller Wahrscheinlichkeit eine schlimmere Opferbilanz verhindert", sagte Philippe. Auch Innenminister Collomb lobte die Polizei, die mit kühlem Kopf vorgegangen sei.

Zahlreiche Augenzeugen berichteten über die Bluttat in dem beliebten Ausgehviertel. "Ich war auf der Café-Terrasse und hörte drei oder vier Schüsse", berichtete die 47-jährige Gloria. "Die Kellner sagten, wir müssten schnell reinkommen. Als ich wieder rausgegangen bin, sah ich einen Mann am Boden liegen."

Die Cafébesucherin Elisa fühlte sich an die Pariser Anschlagserie vom November 2015 erinnert. "Wenn man drei Schüsse hört, denkt man zwangsläufig an den 13. November. Man rennt dann nur noch weg."

Die Dschihadistenmiliz IS beanspruchte die Tat für sich. Der Täter sei "ein Soldat des Islamischen Staats" gewesen, zitierte das auf Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisierte US-Institut SITE aus einem Bekennerschreiben, das die IS-Agentur Amaq verbreitete. Der Täter sei einem "Aufruf zu Angriffen auf Staaten der Koalition" gefolgt, hieß es dort weiter. Gemeint war offenbar die Anti-IS-Koalition in Syrien und im Irak.

10.56 Uhr:

Der bei dem mutmaßlichen Terroranschlag in Paris getötete Angreifer ist identifiziert. Der junge Mann wurde 1997 in der Teilrepublik Tschetschenien im russischen Nordkaukasus geboren und war französischer Staatsbürger, wie Ermittlerkreise der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag bestätigten.

Fahnder hätten seine Eltern am Sonntagmorgen in Gewahrsam genommen. Der Terrorverdächtige war demnach den Sicherheitsbehörden bekannt und stand auf einer Liste von radikalisierten Personen. Er sei wegen seiner radikalen Ansichten als mögliches Sicherheitsrisiko geführt worden, aber nicht vorbestraft gewesen, verlautete am Sonntag aus französischen Ermittlerkreisen.

Der Täter wurde von der Polizei erschossen. Er habe bei seiner Tat "Allah Akbar" (arabisch für: "Gott ist größer") gerufen, teilte die Staatsanwaltschaft unter Berufung auf die Aussagen mehrerer Zeugen mit. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) beanspruchte die Tat für sich.

Der Täter hatte kurz vor 21.00 Uhr in einem Ausgehviertel nahe der Oper im Herzen von Paris zugeschlagen. Zum Zeitpunkt des Attentats waren dort viele Menschen auf der Straße, die zu Zeugen des blutigen Geschehens wurden. Die Gegend ist wegen ihrer vielen Bars, Restaurants und Theater beliebt. Bei dem getöteten Passanten handelt es sich nach Polizeiangaben um einen 29-jährigen Mann.

7.43 Uhr: Nach Informationen aus Justizkreisen soll der Attentäter von Paris aus Tschetschenien stammen. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP.  Die Eltern des 1997 geborenen Mannes seien in Gewahrsam, verlautete am Sonntagmorgen aus Justizkreisen in der französischen Hauptstadt. 

6.40 Uhr: Laut Zeugenaussagen soll der Angreifer „Gott ist groß“ auf Arabisch gerufen haben, wie der Pariser Staatsanwalt François Molins sagte. Wegen der Vorgehensweise übernahmen Anti-Terror-Ermittler den Fall, ermittelt wird wegen Mordes und versuchten Mordes an Amtsträgern im Zusammenhang mit Terrorismus. Zur Identität des Täters machte Molins zunächst keine Angaben. Zwei der Angegriffenen wurden schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht, zwei weitere Menschen erlitten leichte Verletzungen.

Macron teilte auf Twitter mit, seine Gedanken seien bei den Opfern und ihren Angehörigen. „Ich lobe im Namen aller Franzosen den Mut der Polizisten, die den Terroristen neutralisiert haben.“ Frankreich war in den vergangenen Jahren mehrfach Ziel islamistischer Terroranschläge, seit Anfang 2015 wurden dabei mehr als 240 Menschen ermordet.

Der Messerangreifer schlug in der Nähe der Garnier-Oper zu. In dem Ausgehviertel ein Stück nördlich des Louvre-Museums gibt es zahlreiche Bars und Restaurants, samstagabends ist dort üblicherweise viel los. Eine Frau erzählte dem Sender BFMTV, dass sie mit Freundinnen im Außenbereich eines Gastronomiebetriebs saß, als sie Schüsse gehört habe. „Dann gab es einen Tumult. Die Kellner sagten, dass wir uns in Sicherheit bringen sollten.“

Terrorangriff in Paris: Die Meldungen von Samstag

Nach einer tödlichen Messer-Attacke in Paris haben Anti-Terror-Experten die Ermittlungen übernommen. Ein Angreifer tötete am Samstagabend im Zentrum der französischen Hauptstadt einen Passanten und verletzte vier weitere Menschen, zwei davon schwer. Dabei soll er laut Zeugenaussagen „Gott ist groß“ auf Arabisch gerufen haben, wie Staatsanwalt François Molins sagte. Die Polizei erschoss den Angreifer. Staatspräsident Emmanuel Macron bezeichnete den Täter als Terroristen.

„Frankreich zahlt erneut den Preis des Blutes, gibt aber gegenüber den Feinden der Freiheit nicht ein Zoll nach“, erklärte Macron auf Twitter. Seine Gedanken seien bei den Opfern und ihren Angehörigen. „Ich lobe im Namen aller Franzosen den Mut der Polizisten, die den Terroristen neutralisiert haben.“

Pariser Bürgermeisterin: „Unsere Stadt wurde heute Abend tief verletzt“

Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung wegen Terror-Verdachts, Mordes und versuchten Mordes an Amtsträgern ein. Die Terrorgruppe Islamischer Staat reklamierte den Angriff für sich, wie die auf Auswertung dschihadistischer Propaganda spezialisierte Site Intelligence Group unter Berufung auf das IS-Sprachrohr Amak meldete. Zur Identität des Täters machten die Behörden zunächst keine Angaben.

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo erklärte: „Unsere Stadt wurde heute Abend tief verletzt.“ Die Attacke ereignete sich in der Nähe der Garnier-Oper, ein Stück nördlich des Louvre-Museums. In dem Viertel gibt es zahlreiche Bars und Restaurants, samstagabends ist dort üblicherweise viel los.

Französische Polizisten im Zentrum von Paris.

Zeuge: Täter rannte mit Messer auf Polizisten zu

Eine Frau erzählte dem Sender BFMTV, dass sie mit Freundinnen im Außenbereich eines Gastronomiebetriebs saß, als sie Schüsse gehört habe. „Dann gab es einen Tumult. Die Kellner sagten, dass wir uns in Sicherheit bringen sollten.“

Ein weiterer Zeuge erzählte dem Sender, als die Polizei kam, sei der Mann mit dem Messer auf die Beamten zugerannt. Auch Vertreter der Polizeigewerkschaft Alliance erklärten, der Angreifer habe sich gegen Polizisten gewandt. Demnach versuchte die Polizei zunächst ohne Erfolg, den Täter per Elektroschockgerät zu stoppen. Dann habe ein Polizist geschossen. Innenminister Gérard Collomb würdigte die „Reaktionsfähigkeit“ der Polizei.

Frankreich war in den vergangenen Jahren mehrfach Ziel von islamistischen Terroranschlägen, seit Anfang 2015 wurden dabei mehr als 240 Menschen ermordet. Zuletzt hatte Ende März ein 25 Jahre alter bekennender Islamist vier Menschen getötet - darunter einen Gendarmen, der sich ihm als Austauschgeisel angeboten hatte.

Mehrfach wurde auch Paris von Anschlägen erschüttert. Die verheerendste Attacke war die Terrornacht vom 13. November 2015: Damals hatten mehrere Islamisten-Kommandos bei zeitgleichen Anschlägen unter anderem in einem Ausgehviertel im Osten der französischen Hauptstadt insgesamt 130 Menschen ermordeten.

dpa

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