Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Nazi-Kriegsverbrecher Kepiro gestorben

+
Sandor Kepiro im Juli 2011 vor Gericht

Budapest - Sandor Kepiro, einst der meistgesuchte mutmaßliche Nazi-Kriegsverbrecher, ist tot. Eine juristische Aufarbeitung des Massakers von Novi Sad 1942 findet nun nicht mehr statt.

Der am Samstag im Alter von 97 Jahren gestorbene frühere Gendarmerie-Hauptmann soll zwischen dem 21. und 23. Januar 1942 an einem Massaker im serbischen Novi Sad beteiligt gewesen sein, bei mindestens 1246 Zivilisten getötet wurden. Die Opfer waren Juden, Roma und Serben. Novi Sad stand damals unter ungarischer Besatzung.

Das Simon-Wiesenthal-Zentrum im Jerusalem äußerte sich über Kepiros Tod “enttäuscht“. Dieser verhindere die Verurteilung und Bestrafung des Mannes, den das Wiesenthal-Zentrum auf Platz eins der meistgesuchten Kriegsverbrecher gesetzt hatte.

Am 18. Juli hatte das Budapester Stadtgericht Kepiro freigesprochen. Rechtskräftig war das Urteil nicht, die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein. Nach Worten des Richters war dies “kein Freispruch wegen eines fehlenden Verbrechens, sondern wegen fehlender Beweise“. Der Angeklagte hatte alle Beschuldigungen zurückgewiesen und als “Lügen“ bezeichnet. Für die Anschuldigung, Kepiro habe damals persönlich Gefangene getötet, fanden sich keine Zeugen. Auch war es nach Ansicht des Gerichts nicht nachweisbar, dass Kepiro überhaupt von dem Massaker gewusst habe.

Die meistgesuchten Nazi-Verbrecher

Die meistgesuchten Nazi-Verbrecher

Sie haben sich dem Zugriff der Justiz entzogen. Auf der Liste der meistgesuchten Nazi- Kriegsverbrecher des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem stehen folgende Namen: © dpa
ALOIS BRUNNER (Jahrgang 1912) in Syrien: Der wichtigste bislang strafrechtlich nicht verfolgte Nazi-Kriegsverbrecher ist möglicherweise nicht mehr am Leben. © dpa
Der ehemalige SS-Hauptsturmführer soll als “Ingenieur der Endlösung“ für den Tod von etwa 130 000 Juden aus mehreren Ländern verantwortlich sein. © dpa
Brunner wurde das letzte Mal im Jahr 2001 in Damaskus (Syrien) gesehen. © dpa
ARIBERT HEIM (1914) in Ägypten: Der als “Dr. Tod“ berüchtigte frühere KZ-Arzt soll 1992 mit 78 Jahren in Kairo gestorben sein. Als Beleg gilt ein Auszug aus dem Sterberegister. © dpa
Aufgrund einer beim Bundesfinanzhof anhängigen Steuersache schließt das Wiesenthal- Zentrum jedoch nicht aus, dass Heim noch lebt. © dpa
Er soll in den Konzentrationslagern Sachsenhausen, Buchenwald und Mauthausen zahlreiche Menschen ermordet haben, viele durch Injektionen ins Herz. © ZDF
SANDOR KEPIRO (1914) in Ungarn: Der Polizeioffizier wird verdächtigt, an der Ermordung von mehr als 1200 Zivilisten im serbischen Novi Sad teilgenommen zu haben. © dpa
MILIVOJ ASNER (1913) in Österreich: Der ehemalige Polizeichef in Kroatien soll aktiv an der Verfolgung und Deportation von Serben, Juden sowie Sinti und Roma beteiligt gewesen sein. © AP
KLAAS CARL FABER (1922) in Deutschland: In den Niederlanden wurde er für den Tod von Gefangenen 1944 zum Tode verurteilt. © dpa
Das Urteil wurde 1948 in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt. 1952 flüchtete er aus dem Gefängnis und lebt seit Jahrzehnten in Ingolstadt. © dpa
SOEREN KAM (1921) in Deutschland: Das ehemalige SS-Mitglied soll für den Tod eines dänischen Journalisten verantwortlich sein und die Deportation der jüdischen Gemeinde in Dänemark in deutsche Konzentrationslager ermöglicht haben. © dpa
Wegen Tötung in Dänemark verurteilt, lebt Kam heute in Kempten im Allgäu. © dpa
MICHAIL GORSCHKOW (1923) in Estland: Laut Wiesenthal-Zentrum war er am Mord an Juden in Weißrussland beteiligt. © dpa
ALGIMANTAS DAILIDE (1921) in Deutschland: Er soll Juden festgenommen haben, die später von Nationalsozialisten getötet wurden. © dpa
Von den USA ausgeliefert wurde er in Litauen verurteilt, musste seine Haft aber wegen seines Gesundheitszustands nicht antreten und lebt heute in Sachsen. © dpa

Das meinen auch die Historiker Krisztian Ungvary und Laszlo Karsai, beide Spezialisten für den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg, beide jeglicher Sympathien mit Nazi-Verbrechern unverdächtig. Ungvary sagte, Kepiro könne man allenfalls moralisch verurteilen. Karsai erklärte, Beweise seien schwer zu beschaffen, weil Dokumente des ungarischen Militärgerichts aus den Jahren 1942-1944 verschwunden seien. Zudem hätten die serbischen Behörden jetzt kein weiteres Belastungsmaterial beigesteuert.

Kepiro war bereits 1943 in diesem Zusammenhang von einem ungarischen Militärgericht zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Die Strafe musste er nicht absitzen. Stattdessen wurde er ab Juni 1944 wieder als Gendarm eingesetzt. 1948 wurde er vom kommunistischen ungarischen Volksgerichtshof zu 14 Jahren Haft verurteilt - in Abwesenheit, denn Kepiro war damals bereits in den Westen geflohen.

Zum Massaker von Novi Sad war es gekommen, nachdem die ungarische Armee dort wegen angeblicher Partisanenangriffen “Razzien“ angeordnet hatte. Daran war auch die Gendarmerie beteiligt. Kepiro bestritt im Prozess, gewusst zu haben, dass die von seiner Einheit verhafteten Zivilisten später von der Armee getötet werden sollten.

Kepiro war nach dem Krieg über Österreich nach Argentinien geflohen. Von dort kehrte er 1996 nach Budapest zurück; 2006 spürte ihn das Wiesenthal-Zentrum dort auf und brachte ihn vor Gericht. Während des im Mai dieses Jahres begonnenen Prozesses wirkte Kepiro gesundheitlich angeschlagen. Bei der Urteilsverkündung hing er an einem Infusionstropf. Geistig war er aber laut Befund der Gerichtsmediziner sehr wohl in der Lage, dem Prozess zu folgen und sich zusammenhängend zu äußern. Nur wegen seiner Schwerhörigkeit brauchte er Hilfe bei der Verständigung.

“Urteil Gottes“, überschrieb die linke ungarische Tageszeitung “Nepszava“ ihren Bericht über Kepiros Tod. Viele Ungarn meinten, Kepiro habe wie viele andere Gendarmen damals nur Befehle ausgeführt, schrieb das Blatt weiter. Es gebe aber auch Ungarn, die dafür seien, dass solche Verbrechen niemals verjähren.

dpa

Kommentare