Neue Erde entdeckt: Wenig Licht und ein Herz aus Eis

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München - Nachdem wir unseren Planeten offenbar lieber zerstören als retten – das zeigt der Klimagipfel wieder deutlich – lohnen sich die Anstrengungen der Astronomen auf der Suche nach einer bewohnbaren Welt.

Jetzt sind sie fündig geworden: Nur 40 Lichtjahre von uns entfernt entdeckten sie eine sogenannte Supererde, die einen kleinen Stern umkreist. Sie gaben ihr laut dem Wissenschaftsmagazin Nature den wenig sinnlichen Namen GJ 1214b. Wir erklären den Planeten:

Was ist eine Supererde?

So bezeichnen Astronomen einen Planeten mit mehr als einer, aber weniger als zehn Erdmassen. GJ 1214b besitzt die sechsfache Masse der Erde. Das ist vergleichbar mit der Masse der ersten im Januar 2009 gefundenen Supererde, des Planeten Corot-7b. Er liegt aber 460 Lichtjahre von uns entfernt. Grundsätzlich gilt: Je größer die Masse eines Planeten, desto größer ist seine Anziehungskraft auf andere Objekte.

Wie groß ist der entdeckte Planet?

GJ 1214b hat den 2,7-fachen Durchmesser der Erde und liegt damit größenmäßig zwischen Erde und Uranus sowie Neptun.

Woraus besteht die neue Welt?

Die Wissenschaftler vermuten, dass GJ 1214b zu drei Vierteln aus Wassereis und zu einem Viertel aus Silizium und Eisen besteht. Zum Vergleich: Supererde Corot-7b besitzt wahrscheinlich einen felsigen Kern und ist von Lava überzogen.

Wie sind die Verhältnisse auf GJ 1214b?

Reichlich ungemütlich. GJ 1214b umkreist seinen Heimatstern, einen Roten Zwerg (die kleinsten aktiven Sterne), einmal alle 38 Stunden in einer Entfernung von nur zwei Millionen Kilometern. Das ist nur ein Siebzigstel des Abstandes der Erde von der Sonne. Die Oberflächentemperatur dürfte deshalb so um die 200 Grad Celsius liegen. Im Unterschied zu Corot-7b verfügt GJ 1214b über eine Atmosphäre. Sie ist mit 200 Kilometern sogar dicker als die unserer Erde. Leider bedeutet das nichts Gutes: Durch sie gelangt nur wenig Licht auf die Planetenoberfläche. Der Druck ist zudem extrem hoch. Es ist daher unwahrscheinlich dort Leben zu entdecken, wie wir es kennen. Hochspannend für die Wissenschaftler sind aber die chemischen Reaktionen, die sich auf der Supererde abspielen.

Wie wurde der Planet entdeckt?

Mit der sogenannten Transitmethode: Sie nutzt aus, dass die Helligkeit eines Sterns um ein Bruchteil abnimmt, wenn ein Exoplanet (ein Planet, der nicht um die Sonne kreist) von der Erde aus gesehen vor dem Stern vorbeizieht. Entdeckt wurde GJ 1214b von den Teleskopen des Projekts MEarth, die vom Mount Hopkins in Arizona aus mehr als 2 000 Sterne nach Exoplaneten absuchen.

GJ 1214b ist nicht bewohnbar, Corot-7b auch nicht. Ein Fehlschlag auf der Suche nach einer neuen Erde?

Keinesfalls. Der Fund eröffnet ganz neue Perspektiven auf der Suche nach bewohnbaren Welten. GJ 1214b ist zum Beispiel die erste Supererde mit Atmosphäre. Die Forscher sind sich jedenfalls sicher: Auf der Jagd nach bewohnbaren Planeten sind sie ihrem Ziel näher denn je …

tz

Rubriklistenbild: © dpa

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