Ölpest: Operation "Top Kill" verzögert sich

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Live-Video einer TV-Kamera, die zeigt, wie im Golf von Mexiko Öl aus einem Leck strömt.

Washington - Im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko hat sich das “Top Kill“ genannte Abdichten des Lecks verzögert. Im schlimmsten Falle könnte das ganze Vorhaben ins Wasser fallen.

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BP bereitete am Mittwoch weiter unter Hochdruck den Versuch vor, die sprudelnde Ölquelle mit Schlamm und Zement zu schließen. Langwierige Diagnosen auf dem Meeresgrund verzögerten allerdings das ursprünglich für die frühen Morgenstunden (Ortszeit) angekündigte Manöver. Es lägen noch nicht alle nötigen Testergebnisse vor, sagte Konzern-Chef Tony Hayward dem Fernsehsender CNN.

Der Kampf gegen die Ölpest

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Zum Verstopfen der Ölquelle sollen mehrere tausend Liter Schlamm pro Minute in das Bohrloch gepumpt werden. Diese “Top Kill“ genannte Prozedur werde etwa zwei Tage dauern, sagte ein BP-Sprecher. Zunächst mussten aber Tests klären, ob das tonnenschwere Sicherheitsventil auf dem Bohrloch den enormen Druck aushält, wenn es mit schwerer Flüssigkeit beschossen wird. Das ganze Unterfangen könnte also noch abgesagt werden.

Die Operation wird in den USA als entscheidende Aktion im Kampf gegen die Ölpest gewertet. Alle großen Nachrichtensender berichteten in Sondersendungen über die Fortschritte der Arbeiten, die auch live im Internet übertragen wurden. Wenn es gelingt, das Bohrloch zu schließen, könnte BP sich voll darauf konzentrieren, das Meer und die Küsten zu säubern, ohne dass stündlich weiterhin tonnenweise Öl ins Meer läuft. Der immer weiter zunehmende Schaden für das Meer, die Tierwelt sowie die Wirtschaft ließe sich laut Experten noch auf ein erträgliches Maß begrenzen, schrieb die “New York Times“ am Mittwoch.

Sehen Sie hier den Live-Stream vom Ölleck

Sollte der Versuch in letzter Minute abgesagt werden oder misslingen, ist BP nach eigenen Angaben auf einen zweiten Anlauf vorbereitet. Der Konzern könne kurzfristig einen 1,50 Meter hohen Zylinder aus Stahl über das Leck stülpen, der das Öl auffangen soll, sagte BP-Vizepräsident Kent Wells. Über ein Rohr an der Vorrichtung könnte die Brühe nach oben in ein Schiff gepumpt werden. Vor drei Wochen war BP mit einem ähnlichen Versuch gescheitert, weil Kristalle die Leitung verstopften. Allerdings kam damals eine wesentlich größere, 13 Meter hohe Kuppel zum Einsatz.

Unabhängig vom Ausgang der Operation will US-Präsident Barack Obama am Donnerstag deutlich schärfere Regelungen für Ölbohrungen im Meer ankündigen. Die Regierung werde strengere Sicherheitsstandards und rigidere Kontrollen auf Bohrinseln einführen, hieß es aus dem Weißen Haus. Die Ölindustrie sieht hohe Kosten und ein zu starr reguliertes System auf sich zukommen, berichteten US-Medien. Obama und seine Regierung sind unter Druck geraten, weil sie Kritikern zufolge zu spät auf die Umweltkatastrophe reagierten. Am Freitag will der Präsident zum zweiten Mal die von der Ölpest betroffene Region im Bundesstaat Louisiana besuchen.

dpa

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