Papst sieht Missbrauchsskandal als Prüfung

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Für Papst Benedikt XVI. ist der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche eine Prüfung.

Rom/Wien - Papst Benedikt XVI. sieht den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche als Prüfung, auch für ihn selbst. In einer Predigt rief er die Priester zu Gewaltlosigkeit auf.

Zum Höhepunkt der Karwoche und unter dem Eindruck des Missbrauchsskandals hat Papst Benedikt XVI. die Priester zu Gewaltlosigkeit aufgerufen.

"Als Priester stehen wir in der Nachfolge Jesu Christi als Männer des Friedens, die zum Widerstand gegen Gewalt und zum Vertrauen auf die Macht der Liebe aufgerufen sind“, sagte er am Gründonnerstag im Vatikan. Nach Angaben seines Sprechers Federico Lombardi sieht der Papst den Skandal als “Prüfung für ihn und die Kirche“. In seiner Predigt im Petersdom erwähnte Benedikt die Missbrauchsfälle zwar nicht direkt, er sagte aber, dass Christen sich “an das Gesetz halten und Gutes und Gerechtes tun müssten“.

Chronologie der Missbrauchsfälle

Chronologie der Missbrauchsfälle

Der Aufruf kommt zu einer Zeit, in der Benedikt selbst in die Kritik geraten ist, in seiner Zeit als Münchner Erzbischof und später als Präfekt der Glaubenskongregation nicht ausreichend gegen Missbrauch vorgegangen zu sein. Kirchenvertreter halten dagegen, dass Benedikt sowohl als Kardinal als auch als Papst gegen Missbrauch gekämpft habe. In den vergangenen Wochen waren zahlreiche Fälle von Kindesmissbrauch und -misshandlung durch Kirchenleute nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich, der Schweiz, Dänemark und weiteren europäischen Ländern bekanntgeworden. Die öffentliche Empörung richtete sich nicht nur gegen die Täter, sondern auch gegen Bischöfe und den Vatikan, die nach Ansicht von Kritikern die Fälle jahrelang vertuschten.

Wiener Kardinal bekennt sich zur Schuld der Kirche

Kardinal Christoph Schönborn, ein enger Vertrauter Benedikts, hatte sich bei einer Messe im Wiener Stephansdom am Mittwochabend ausdrücklich zur Schuld bekannt, die die Kirche in den Jahren des Schweigens und Vertuschens von Missbrauchsfällen auf sich geladen habe. Der Kardinal dankte insbesondere den Opfern, dass diese das Schweigen gebrochen hätten, meldete die österreichische Nachrichtenagentur APA. Eingeladen zu dem Gottesdienst hatte unter anderem die kirchenkritische Organisation “Wir sind Kirche“. In seiner Predigt betonte Schönborn, dass es in einer so schwierigen Situation schwer sei, die richtigen Worte zu finden: “In dieser Stunde sind Predigtworte daneben, sie können nur peinlich werden, oft verletzend. Schweigen wäre angebracht.“ In letzter Zeit sei in der Kirche vieles aufgebrochen, sagte Schönborn. Nun werde weniger weggeschaut, “aber es bleibt viel zu tun“.

Chef der Glaubenskongregation verteidigt Papst gegen Kritik

Der Vorsitzende der Glaubenskongregation, Kardinal William Levada, verteidigte unterdessen den Papst im Fall der 200 gehörlosen Jungen in den USA, die von den 50er Jahren bis 1974 von einem Priester missbraucht wurden. In einem Artikel auf der Vatikan-Webseite schrieb Levada, der betreffende Geistliche Lawrence Murphy hätte in den 60er und 70er Jahren aus dem Priesteramt verstoßen werden müssen. Aber weder die Diözese noch die Polizei seien gegen ihn vorgegangen. Zwei Jahrzehnte später sei von der Diözese ein kirchliches Verfahren gegen Murphy eingeleitet und der Vatikan über den Fall informiert worden. Es sei 1996 ausgesetzt worden, weil Murphy im Sterben gelegen habe. Damals war Benedikt Vorsitzender der Glaubenskongregation, die auch für Disziplinarmaßnahmen zuständig ist. “Meine Interpretation ist, dass die Kongregation erkannte, dass der schwierige kanonische Prozess nutzlos ist, wenn der Priester stirbt“, schrieb Levada. Der Kardinal forderte eine “ausgewogenere Sicht“ auf Benedikt, der 2001 die Vorschriften für den Umgang mit Missbrauchsfällen gestrafft habe. Levada kritisierte damit einen Bericht der “New York Times“, der dem Papst ein zögerliches Vorgehen gegen schuldig gewordene Priester vorgeworfen hatte. Eine Sprecherin der Zeitung wies die Kritik zurück - es gebe keinen Anhaltspunkt, dass berichtete Details falsch seien.

Brief aus den 60er Jahren belastet Vatikan

Unterdessen wurde ein Brief bekannt, in dem der Vatikan schon in den 60er Jahren über Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche der USA informiert wurde. In einem Brief eines Priors von 1963 an den damaligen Papst Paul VI. wird gefordert, pädophile Priester ihres Amtes zu entheben. Ein Sprecher der Erzdiözese von Los Angeles sagte, es sei unwahrscheinlich, dass Paul VI. den Brief tatsächlich jemals gelesen habe.

dapd

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