„Lärm kennt keine Grenzen“

Demonstration gegen Fluglärm in Salzburg gemeinsam mit Bayern?

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Michael Lederer ist als Vorsitzender der ‚Anrainer Salzburg Airport‘ erst wenige Tage im Amt, detaillierte Forderungen will er in den nächsten Wochen präsentieren.
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Salzburg, Wals-Siezenheim - Am 4. Dezember ist bei den Salzburger Fluglärmgegnern überraschend ein neuer Chef gelandet: Michael Lederer, Unternehmer und Bauträger mit einem Büro und einer Wohnung nur wenige hundert Meter von der Landepiste des Flughafens entfernt.

Vor 14 Jahren ist Lederer mit seiner Familie nach Viehhausen gezogen, einem Ortsteil von Wals-Siezenheim, eingezwängt zwischen der Tauernautobahn und dem Airport, „wir wussten dass der Flughafen in der Nähe ist und hier ein paar Maschinen landen werden“, aber die Situation habe sich in den letzten Jahren enorm verschlechtert.

„Es gibt Tage, an denen acht Stunden lang alle drei Minuten ein Spaßflieger über uns seine Runden dreht“. Mit Spaßflieger meint Lederer einmotorige Privatflugzeuge, die seiner Meinung nach auch nach dem Ende eines speziellen Rabattes noch viel zu geringe Start- und Landegebühren zahlen. Vor einigen Jahren seien sie auch noch im Sturzflug herunter gesaust, „da zitterte dann echt die Bude“.

In der Hand hält Lederer mehrere Grafiken, die die Flugspuren über seinem Haus innerhalb von zwölf Stunden an verschiedenen Tagen wiedergeben, „dieses Bild spricht wohl für sich“, meint er, „da sieht man keine Gemeinde mehr“.

Was hat Vorgänger erreicht?

Sein Vorgänger Günther Oblasser habe in den sieben Jahren der Vorstandschaft einiges erreicht, auf Nachfrage, was genau, fällt Lederer nach einigem Nachdenken die Aufzeichnung und Veröffentlichung der Flugspuren ein, aber lauter sei es trotzdem geworden. Irgendwie gewinnt man den Eindruck, Lederer sei in einer Art Notlandung zum Vorstand des rund 250 Mitglieder starken Vereines „Anrainer Salzburg Airport“, kurz ASA, geworden. Im April 2020 sei der nächste Bürgerbeirat des Flughafens, bei dem aber weniger Bürger als vielmehr Vertreter des Flughafens, der Flugsicherung, der Fluglinien und der Eigentümer das Sagen haben. Bis dahin will Lederer sich einlesen.

Sein Ziel ist aber schon jetzt klar, „die Bevölkerung muss vom Lärm befreit werden“, vor allem die „Spaßflieger“ mit einem Lärmpegel von bis zu 95 Dezibel wenige hundert Meter über seinem Haus sind ihm ein Dorn im Auge. Aber er wisse auch, wie laut die Maschinen anderswo empfunden werden, „immerhin bin ich in Taxham aufgewachsen“.

Dass Stadt und Land Salzburg ihre schützende Hand über den Flughafen im Stadtteil Maxglan halten, versteht Lederer ohnehin nicht, „wenn ich den Flughafen vom Lärm her mit einem Veranstaltungsort für Motorsport vergleiche, dann habe ich beim Motorsport garantiert eine begrenzte Zahl von wenigen, erlaubten Veranstaltungen und jede Menge Auflagen“. Beim Flughafen sei dies nicht der Fall, „das versteh ich nicht“. Dass der Airport eine wesentliche wirtschaftliche Rolle spiele bezweifelt Lederer und nennt als Beispiel eine große Salzburger Brauerei, die seiner Meinung nach mit weniger Fläche und keinem Lärm viermal so viel Gewinne mache wie der Flughafen. Jetzt lese er von Ausbauplänen für das Terminal 1, „dabei steht das Terminal 2 an 330 Tagen im Jahr leer“.

Kontakt mit Bayern

Das zumindest bayerische Politiker in der Fluglärmkommission zuletzt versöhnlichere Töne anschlugen kann der neue ASA-Chef nicht nachvollziehen, er möchte mit dem Schutzverband in Freilassing Kontakt aufnehmen, „gemeinsam schafft man mehr, denn der Lärm macht ja keinen Halt vor der Grenze, alle leiden unter dem Fluglärm“. Dass bayerische Fluglärmgegner eine gerechte Verteilung fordern kann er nachvollziehen, „und warum fordern sie das, weil es einfach zu viel ist“. Auch Lederer kann sich auf Nachfrage eine Art Obergrenze vorstellen, auf eine Zahl will er sich aber noch nicht festlegen, „weil erst seit fünf Tagen im Amt“. Aber eine gemeinsame Demonstration von Fluglärm-Gegnern aus Salzburg und Bayern findet er gut, „wenn dann im Chiemseehof“.

hud

Quelle: rosenheim24.de

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