Die Kunst des Verbiegens

Schlangenmenschen zu Gast in Bergisch Gladbach

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In Bergisch Gladbach findet bis Mittwoch der Weltkongress der Schlangenmenschen statt.

Bergisch Gladbach - Als wären sie aus Gummi: Bis Mittwoch findet in Bergisch Gladbach der Weltkonkress der Schlangenmenschen statt. Rund 100 Teilnehmer aus 16 Ländern zeigen zum Teil Unglaubliches:

Es ist ein merkwürdiger Montagmorgen in Bergisch Gladbach. Rentner Hugo sitzt nichtsahnend an der Bushaltestelle, als sich eine ziemlich schlanke, ziemlich auffällige Frau neben ihn setzt und sich erst den Kopf durch die Beine steckt und dann den rechten Fuß hinters Ohr klemmt. Hugo kriegt das alles nur aus den Augenwinkeln mit. Er will keineswegs den Eindruck erwecken, übermäßig beeindruckt zu sein. Wo bleibt denn eigentlich der Bus?

Internationaler Schlangenmenschen-Kongress in Bergisch Gladbach. Das mussten die Teilnehmer natürlich erst mal schlucken. „Ich erkenne noch viele Gesichter wieder von vor zwei Jahren in Las Vegas“, begrüßt Trainer Frederick van Laak die aus den USA und aus Asien angereisten Freunde der Verbiegekunst. „Dieser Ort hier klingt etwas anders.“

Das Fachwort für die Kunst des Verbiegens heißt Kontorsion

Dass der Kongress diesmal in Begisch Gladbach stattfindet, hat unter anderem damit zu tun, dass dem Top-Talent Zlata (28) letztes Mal wegen seines russischen Passes die Einreise in die USA verweigert wurde. Das war schon ein kleiner Schock. Deshalb jetzt Old Europe. Und Bergisch Gladbach? Hat eher praktische Gründe. Organisatorin Ska von Schöning wohnt in Köln.

„Ich könnte das auch sonstwo stattfinden lassen, und die kämen“, sagt von Schöning. Die Kontorsion hat einen kleinen, aber sehr treuen Liebhaber-Kern. Kontorsion ist das Fachwort für die Kunst des Verbiegens. Auf dem Kongress wird ausschließlich von „Kontorsionisten“ oder „Künstlern“ gesprochen, nie von Schlangen- oder Gummimenschen. „Die Kontorsion ist viele Jahre lang so eine Freak-Angelegenheit gewesen, das wollten wir ändern“, sagt von Schöning. „Ich bin selbst auch relativ flexibel.“ Will sagen: Sie kann sich auch ziemlich doll verbiegen.

So verbiegen sich die Schlangenmenschen

So verbiegen sich die Schlangenmenschen

Bis Mittwoch besuchen die etwa 100 Kongressteilnehmer aus 16 Ländern Workshops und Vorträge. Unter den Teilnehmern lassen sich drei Gruppen ausmachen: Profis, Amateure und Fans. Die Fans verbiegen sich nicht selbst, bewundern aber jene, die es können, besonders wenn sie weiblich sind. Roger Peake (64) aus Melbourne sah seine erste Kontorsionsnummer als Kind - seitdem haben ihn die Windungen des menschlichen Körpers nicht mehr losgelassen.

Der Star des Tages ist Zlata (28), bekannt aus dem Fernsehen. Ihr Talent wurde noch im russischen Kindergarten erkannt, jetzt wohnt sie schon lang in Leipzig. „Viele glauben, dass ich mich auch zu Hause verbiege, beim Aufräumen oder so. Aber das kommt nie vor.“ Er nehme sie auch nicht im Koffer mit, um ein Ticket zu sparen, scherzt ihr Mann Steffen Günthel.

Horst Frindt ist mit 78 Jahren der älteste Kongressteilnehmer

Die meisten Selbstverbieger - so auch Zlata - haben von Natur aus elastischere Bandscheiben. „Sie sind weich“, sagen die Kontorsionisten. Es gibt aber auch solche, die einfach unglaublich hart trainieren.

Der 78 Jahre alte Horst Frindt aus Hirschhorn am Neckar ist der älteste Kongressteilnehmer. Er ist 31 Jahre lang mit ein und derselben Nummer um die Welt getingelt. Der Act hieß „Mensch oder Puppe“. Horst war die Puppe, und ließ sich als solche durch die Luft wirbeln. In den 50er Jahren trat er damit eineinhalb Jahre lang in der Radio City Music Hall im Rockefeller Center in New York auf, anschließend ging es 32.000 Kilometer kreuz und quer durch Amerika.

Man kann die Nummer noch auf YouTube bewundern. Gesund sieht das nicht aus, was Frindt bestätigt. Ob er denn noch was Kurzes vorführen könne, fragt ihn ein Fernsehreporter, doch der alte Mann winkt ab: „Zwei künstliche Hüften!“

dpa

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