Botschafts-Anschlag: Täter aus Deutschland?

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Kam der Mann, der den Anschlag auf die US-Botschaft in Ankara verübt hat, aus Deutschland?

Istanbul - Bei dem Bombenanschlag auf die US-Botschaft in Ankara gibt es nach türkischen Angaben Verbindungen nach Deutschland. Der linksextremistische Selbstmordattentäter soll aus Deutschland in die Türkei gekommen sein.

Der Selbstmordanschlag auf die US-Botschaft in Ankara ist Ermittlungen zufolge von einem illegal aus Deutschland eingereisten Türken verübt worden. Der Mann sei über die griechischen Inseln mit einem gefälschten Ausweis in die Türkei gekommen, zitierte die türkische Nachrichtenagentur Anadolu Innenminister Muammer Güler. Unterdessen hätten auch forensische Untersuchungen bestätigt, dass es sich bei dem Täter um den 30-jährigen Linksextremisten Ecevit Sanli handele. Seine sterblichen Überreste seien an seine Familie übergeben worden, berichtete die Agentur am Sonntag weiter.

Das Bundesinnenministerium wollte die Ermittlungen der türkischen Behörden abwarten, wie ein Sprecher am Sonntag in Berlin sagte. Dennoch überprüfe das Ministerium schon jetzt die Angelegenheit.

Der Attentäter hatte bei dem Anschlag am Freitag eine Handgranate und sechs Kilo TNT-Sprengstoff gezündet, wie die Ermittlungen ergeben haben. Er sprengte sich in einem Eingangsgebäude zum Botschaftsgelände in die Luft und riss einen Wachmann mit sich in den Tod. Die türkische Regierung verstärkte die Sicherheitsmaßnahmen für diplomatische Vertretungen, auch für die in unmittelbarer Nachbarschaft des Tatortes gelegene deutsche Botschaft.

Sanli war nach türkischen Berichten Mitglied der linksextremistischen DHKP-C. Er trug demnach bei dem Anschlag einen gefälschten Ausweis bei sich, der auf den Namen Irfan A. lautete. Er habe in Deutschland gelebt, berichteten türkische Medien, ohne weitere Details zu nennen. Die türkischen Behörden nahmen im Zusammenhang mit dem Anschlag inzwischen drei Menschen fest.

Sanli habe wegen eines Anschlags in der Türkei von 1997 an für mehrere Jahre im Gefängnis gesessen. Er sei nach einem Hungerstreik und wegen dabei erlittener körperlicher Schäden auf freien Fuß gekommen und habe sich dann ins Ausland abgesetzt. Es sei mit Haftbefehl gesucht worden.

Er hatte nach Informationen aus Sicherheitskreisen länger in Deutschland gelebt und war den deutschen Behörden als Extremist bekannt, sagten Sicherheitsexperten der Süddeutschen Zeitung (Montag). Sein Ansuchen um politisches Asyl sei abgelehnt worden, weil er kein Opfer politischer Verfolgung gewesen sei. Auch habe man von seinem Engagement für die DHKP-C gewusst. Der Mann sei dann aufgefordert worden, Deutschland zu verlassen. Daraufhin sei er untergetaucht. Er sei in Deutschland nicht von Sicherheitsdiensten überwacht worden, weil er nicht als ein sogenannter Gefährder eingestuft gewesen sei.

Die DHKP-C hat in der Türkei Anschläge auf Polizei und Justiz verübt. Sie operiert im Untergrund und steht sowohl in der Europäischen Union als auch den USA auf der Terrorliste. Ihr Ziel ist es, das Regierungssystem der Türkei zu stürzen. Die DHKP-C hat sich nach türkischen Angaben in einer im Internet verbreiteten Erklärung zu der Tat bekannt.

dpa

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