Terrorist: Ich schickte einen Jungen in den Tod

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In der Haft spricht Islamist Abdul Baseer über das geplante Selbstmordattentat - ein 14-Jähriger sollte sich in die Luft sprengen.

Lahore - Er hat ein 14-Jährigen als Selbstmordattentäter in den Tod geschickt - der Anschlag wurde aber vereitelt. Im Interview packt ein islamistischer Terrorist aus.

Die Granaten und die Sprengstoffweste hatte Abdul Baseer schon vorausgeschickt. Er nahm den Bus, zusammen mit einem 14-Jährigen, den er als Selbstmordattentäter ausersehen hatte. Doch bevor die beiden das Luxushotel in Lahore in die Luft jagen konnten, wurden sie geschnappt und sitzen jetzt hinter Gittern. Baseer hat keine Gewissensbisse, weil er den Jungen in den Tod schicken wollte. Sein junger Begleiter Mohi ud Din sagt, er habe keine Ahnung gehabt, was ihm blühen sollte. In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Associated Press in Lahore, geführt zumeist in Anwesenheit der pakistanischen Polizei, gibt der verhinderte Attentäter einen seltenen Einblick in die Welt eines militanten Islamisten - von der Ausbildung in einer stockkonservativen Koranschule über die Beteiligung an einem Anschlag in Afghanistan bis zur Verhaftung. Seine Geschichte unterscheidet sich Experten zufolge nicht groß von der tausender anderer Fußsoldaten des Taliban-geführten Aufstands.

Armut und Koranschule

Baseer wurde 1985 in der Nähe des Swat-Tals als ältestes von sieben Kindern eines Bauern geboren. Sein Vater baute Weizen an und konnte die Familie kaum ernähren. Fleisch gab es nur für Gäste, erinnert er sich. Wie viele, die sich keinen regulären Schulbesuch leisten können, ging Baseer auf Koranschulen. Da ist Kost und Logis frei, aber über das Auswendiglernen des Korans hinaus wird an Bildung nicht viel geboten. Die Schulen stehen in der Kritik, die Schüler mit einer extremistischen Auslegung des Islams zu indoktrinieren. “Bei meinen Studien wurde mir bewusst, dass dies die Zeit ist für den Dschihad und den Kampf gegen die Ungläubigen, und ich sah, dass in Afghanistan ein Heiliger Krieg im Gange war“, sagt der schmächtige Mann mit leiser Stimme. “Ich suchte nach einem Weg, dorthin zu kommen.“ Ein Ausflug nach Afghanistan gehöre zur Ausbildung dazu, erklärt Imtiaz Gul, der Direktor eines Instituts für Sicherheitspolitik in Islamabad. “Es ist fast so, als ob man es für den Abschluss braucht.“

Sommerferien in Afghanistan

Baseer sagt, er habe drei Sommerferien in der afghanischen Grenzprovinz Kunar verbracht. Beim ersten Mal, als Halbwüchsiger, habe er für 30 oder 40 zumeist afghanische Kämpfer gekocht, die in einem Höhlenkomplex lebten. Beim zweiten Mal habe er eine militärische Ausbildung erhalten und gelernt, Sprengstoffwesten herzustellen. Beim letzten Mal nahm er an einem Überfall auf eine US-Patrouille teil. “Ich war glücklich, dort zu sein, wo ich Ungläubige töten konnte“, sagt er. “Ich danke Gott, dass wir alle sicher zurückgekehrt sind und einen erfolgreichen Einsatz hatten.“

Die schlimmsten Anschläge seit dem 11. September

Die schlimmsten Terroranschläge seit dem 11. September

Zurück in Pakistan, wurde Baseer Prediger in einer Moschee in der Khyber-Region. Dort kam er nach eigenen Worten mit einem Mann namens Nazir von den pakistanischen Taliban in Kontakt, der den Anschlag in Lahore plante. Für ihn stellte er zehn Sprengstoffwesten her. Dann nahm er mit dem jungen Mohi ud Din den Linienbus nach Lahore, wo sie die Bombe und die Granaten abholen sollten.

14-Jähriger will von nichts gewusst haben

Geplant war, wie die Polizei bestätigt, sich mit anderen Kämpfern zu treffen und das PC International zu stürmen, eines der größten Hotels der Stadt, in dem sie amerikanische Gäste vermuteten. Er und andere sollten in der Lobby oder im Eingangsbereich Granaten werfen; der Junge sollte hineinrennen und seinen Sprengstoffgürtel zünden. Hat er ein schlechtes Gewissen wegen seines jungen Begleiters? Nein, sagt er. “Ich fühlte mich gut, weil er gegen Amerikaner eingesetzt werden sollte.“ Mohi ud Din wird ebenfalls kurz vorgeführt und sagt nicht viel. Er macht einen nervösen Eindruck und erklärt nur, dass er nichts von den Anschlagsplänen gewusst habe. Wenige Tage vor dem Termin wurden die beiden im Haus eines weiteren Verdächtigen verhaftet. Wie es dazu kam, sagt der ermittelnde Polizist nicht. Baseer und dem Jungen steht ein Terrorprozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit bevor, wie in Pakistan üblich.

Von Chris Brummitt

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