Es handelt sich um eine Begradigung einer Felskuppe

Falschmeldung über Sprengung des Linken Fernerkogels: Tiefpunkt einer Kampagne

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Tirol - Die Sprengung des Linken Fernerkogels ist eine bewusste Falschmeldung und wird von den Projektbewerbern kategorisch zurückgewiesen. 

Update, 6. November, 15.35 Uhr: Pressemeldung der Projektbewerbern

In Berichten namhafter Medien wurde unlängst davon geschrieben, dass für den Zusammenschluss von Pitztal und Ötztal zu einem gemeinsamen Skigebiet der Gipfel des Linken Fernerkogels gesprengt werden solle. Das ist unrichtig und widerspricht schlichtweg den Tatsachen. In Unkenntnis der geografischen Sachlage und ohne Rücksprache mit den Betreibern wurden in der Berichterstattung Falschinformationen zu einem regelrechten, rein physisch gar nicht realisierbaren Schreckensbild montiert. Bei der geplanten Begradigung einer Felskuppe handelt es sich um eine Gratspitze. Die Begradigung dieser Spitze - die im Übrigen in keiner der Karten einen eigenen Namen hat - wird zu einer "Gipfelsprengung" hochstilisiert. Und der Einfachheit halber völlig haltlos mit dem Namen eines benachbarten Dreitausenders versehen - eine klassische Verdrehung von Tatsachen. Der Abtrag dieses Berges wäre technisch gar nicht möglich, er besteht aus vielen Millionen Kubikmetern Gestein. Den Gegnern des Projektes ist keine Schreckensmeldung zu peinlich, um daraus Kapital zu schlagen.

Hintergrund der Falschmeldung "Gipfelsprengung"

Richtig ist: Der Gipfel des Linken Fernerkogels wird zu keinem Zeitpunkt von den Projektarbeiten für einen Zusammenschluss der Gletscherskigebiete von Pitztal und Ötztal berührt. Auch die kolportierten 750.000 Kubikmeter Gesteinsabtrag werden völlig aus dem Kontext gerissen. Wahr ist vielmehr: Für die Begradigung dieser Gratspitze, auf der eine Zwischenstation einer Verbindungsbahn errichtet werden soll, sind 120.000 Kubikmeter und somit ein Bruchteil dieser Menge an Erdbewegungen nötig. Zum Vergleich: Ein Berggipfel wie jener des Linken Fernerkogel, der von manchen Medien als kurz vor der Zerstörung stehend kolportiert wurde, besteht aus vielen Millionen Kubikmetern Gestein.

Richtiges Faktum: Begradigung einer Gratspitze, geordnetes Genehmigungsverfahren

Richtig ist, dass der Bereich rund um den Linken Fernerkogel seit 2005 für eine skitechnische Erweiterung prinzipiell freigegeben ist. Die Projektplanung sieht vor, dass neben dem Joch unterhalb des Linken Fernerkogels eine Zwischenstation für eine Seilbahn errichtet werden soll. Im Zuge dessen müsste eine Gratspitze begradigt und somit Fels um zirka 36 Meter abgetragen werden. Keinesfalls kann hier von der "Sprengung eines Berges" - so wie nun behauptet - die Rede sein.

Laufende Abstimmung mit Behörden

Uns ist bewusst, dass dieser Vorgang einen Eingriff darstellt. Jedoch ist festzuhalten, dass in der gesamten Planungsphase alle Projektbestandteile ausführlich in Abstimmung mit der zuständigen Behörde vorgeprüft wurden. Dabei sind keine Ausschließungsgründe aufgetreten, die gegen einen Zusammenschluss von Pitztaler und Ötztaler Gletscher sprechen würden.

Pressemitteilung Pitztaler Gletscherbahn/Bergbahnen Sölden / ma

Erstmeldung

Wintersportler machen sich derzeit wieder bereit für die Saison, Hobby-Skifahrer sind bereits voller Vorfreude und Snowboarder können es kaum erwarten. Auch für die Skigebiete geht bald wieder die Hochsaison los. Zwei solche Regionen sorgen jedoch aktuell in Österreich für reichlich Wirbel. Die beiden Skigebiete Pitztal und Ötztal wollen nämlich zusammengeschlossen werden. Da gibt es nur ein Problem: Der Gletschergipfel der Linke Fernerkogel ist im Weg. 

Genau zwischen den beiden Gebieten steht der Berggipfel und blockiert so das Vorhaben.

Wie die Kronen Zeitung nun berichtet, hat man sich für dieses Problem eine recht archaische Lösung überlegt.

Der Gipfel soll gesprengt werden, um den Zusammenschluss zu ermöglichen. Über 750.000 Kubikmeter Fels, Eis und Erde sollen dafür abgetragen werden. 40 Meter soll der Gipfel an Höhe einbüßen

Die "Allianz für die Seele der Alpen", eine österreichische Initiative, fordert nun in einer Petition, dass das Vorhaben eingestellt wird. Schließlich greift eine solche Sprengung erheblich in das Bild der Bergketten ein. Die Initiative warnt davor, dass  es sich bei der geplanten Abtragung um „die größte Zerstörung unberührter Gletscherflächen seit Jahrzehnten“ handle. Gemeinsam mit dem Alpenverein, WWF und den Naturfreunden will die Initiative die Baumaßnahmen nun stoppen

Das Ganze sei einfach ein zu großer Eingriff in die Gebirgslandschaft, so die Sorge der Initiative. Gerade zu Zeiten von Klimawandel und Gletscherschmelzen sollte man sich mehr auf die Erhaltung, als die Zerstörung solcher Gipfel konzentrieren. Lieber wäre es den Naturschützern, wenn Tourismus, der sich näher mit einem Umweltbewusstsein befasst entstehen würde. 

Große Pläne für neue Fläche

Doch was ist überhaupt für die 72 Hektar große Fläche geplant, die durch die Sprengung entstehen soll? Drei Seilbahnen sollen hier entstehen, ebenso wie Restaurants und Bars, Straßen und ein Tunnel. Bereits im Herbst 2020 könnte es mit dem Bau losgehen, wenn das ganze genehmigt wird.

Den Protesten der"Allianz für die Seele der Alpen" steht die Initiative "Lebensraum Pitztal" entgegen. Diese hofft darauf, dass das Vorhaben den Tourismus im Gebiet vorantreibt. Menschen aus Hotellerie, Gastronomie, Beherbergung, Skischulen, Wanderführer sowie Urlaub am Bauernhof setzen sich in dieser Initiative für ein Vorantreiben des Projekts ein. Die Infrastruktur des Pitztals sei in den letzten Jahren stark zurückgegangen, dagegen wollen sie sich nun durch den Zusammenschluss der Gebiete wehren. 

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance/Angelika Warmuth/dpa (Symbolbild)

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