Tödliches Zugunglück in Polen

Warschau - Der Verkehrsminister spricht vom möglicherweise schlimmsten Zugunglück seit Jahren: Bei der Kollision zweier Züge im Süden Polens sind am Samstag mehrere Menschen getötet worden.

Mindestens 16 Menschen sind bei dem Zugunglück ums Leben gekommen, 58 wurden verletzt, viel davon schwer. Ministerpräsident Donald Tusk nannte den Unfall die “schlimmste Zugkatastrophe“ in Polen in den vergangenen Jahren, nachdem er den Unglücksort am Sonntagmorgen mit Verkehrsminister Slawomir Nowak besucht hatte.

Bilder vom Unglücksort

Schweres Zugunglück in Polen

Waggons entgleisten und verkeilten sich. Vier der insgesamt elf Wagen wurden völlig zerstört. „Es gab keine Notbremsung, es gab nur den Aufprall. Plötzlich wurde es finster und der Zug stoppte“, berichtete der Reisende Dariusz Wisniewski einem Fernsehsender.

In beiden Zügen - einer fuhr in Richtung Warschau, der andere in Richtung Krakau - saßen zusammen rund 350 Passagiere. Bis zum Sonntagnachmittag seien sechs Tote identifiziert worden, darunter eine US-Bürgerin, sagte der mit der Untersuchung der Unfalls beauftragte Staatsanwalt Tomasz Ozimek.

Polens Innenminister Jacek Cichocki befürchtete, dass sich die Zahl der Toten noch erhöhen könnte. Etwa 30 der Verletzten befanden sich in kritischem Zustand. Zu den Verletzten zählten sechs ukrainische Reisende. Ungewiss blieb zunächst das Schicksal der beiden Lokführer.

Das Unglück hatte sich gegen 21 Uhr in der Nähe der Stadt Zawiercie ereignet. „Die ersten drei Waggons waren wie eine Ziehharmonika ineinandergeschoben. Ich war am Anfang des vierten Waggons eingeklemmt, nur einen halben Meter hinter dem Bereich der größten Zerstörung. Als es mir endlich gelang, auf den Korridor zu gelangen, dankte ich Gott.“ So zitierte das Internetportal „wyborcza.pl“ einen Überlebenden. Dariusz Wisniewski berichtete dem Fernsehsender TVN 24: „Als wir ausstiegen, sahen wir, was passiert war. Wir sahen die Verletzten und die Toten. Ich konnte es gar nicht glauben.“

Die Bewohner eines nahe gelegenen Dorfes waren die Ersten am Unfallort und halfen, die Verletzen aus den entgleisten Waggons zu bergen. Später versorgten sie die Passagiere mit Decken und heißen Getränken. „Wir sahen viele Menschen, die im Zug gefangen waren“, sagte ein Helfer der PAP. „Wir versuchten, die Fensterscheiben einzuschlagen, damit sie es leichter hatten.“

An der Unglücksstelle arbeiteten die ganze Nacht etwa 450 Feuerwehrleute und 100 Polizisten. Mit Spürhunden suchten die Rettungskräfte in den Trümmern der Waggonwracks nach Überlebenden. Zur Versorgung der Verletzten wurden beheizte Zelte aufgebaut. Außer Krankenwagen waren auch Hubschrauber im Einsatz, um die Opfer wegzubringen. Der Zug Przemysl-Warschau führte sieben Waggons und war mit rund 250 Passagieren halb besetzt, sagte ein Sprecher der staatlichen Eisenbahn PKP. In den vier Wagen des Zuges Warschau-Krakau saßen etwa 120 bis 150 Fahrgäste. An der Unfallstelle galt ein Tempolimit von 120 Stundenkilometern; auf dem Nachbargleis gab es Reparaturarbeiten.

Zunächst war unklar, warum der Zug nach Krakau falsch umgeleitet worden war. Untersucht wird auch, mit welchem Tempo die Züge zusammenstießen und ob einer von ihnen abgebremst wurde. Ergebnisse sollen in den nächsten Tagen vorliegen.

„Dies ist die tragischste Katastrophe seit Jahren“, sagte der polnische Ministerpräsident Donald Tusk, der noch in der Nacht zur Unfallstelle geeilt war. „Unser Mitgefühl gilt den Opfern und ihren Familien.“

Präsident Bronislaw Komorowski besuchte am Sonntag die Verletzten im Krankenhaus in der Stadt Sosnowiec. Er wisse aus eigener Erfahrung, wie wichtig der Kontakt zur Familie sei, sagte er den Angehörigen von zwei verletzten Frauen. Später besuchte der Präsident auch den Unfallort. Sobald die Waggons von den Gleisen entfernt seien, werde eine Nationaltrauer angeordnet, kündigte er an.

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle übermittelte Polen das Mitgefühl und die Anteilnahme der Regierung in Berlin. „Wir trauern mit den Angehörigen der Opfer und wünschen den Verletzten eine rasche Genesung“, so der Minister.

An Bord der Unglückszüge waren auch französische und spanische Passagiere. Sie blieben unverletzt.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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