Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Musizieren im im Reihenhaus

BGH: Gericht darf Trompetenspiel nicht zu stark einschränken

Wann und wie lange darf ein Musiker im Reihenhaus Trompete üben und Unterricht geben? In einem jahrelangen Streit unter Nachbarn in Augsburg urteilt der Bundesgerichtshof heute. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild
+
Wann und wie lange darf ein Musiker im Reihenhaus Trompete üben und Unterricht geben? In einem jahrelangen Streit unter Nachbarn in Augsburg urteilt der Bundesgerichtshof heute. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild

Der eine liebt es, dem anderen geht es gehörig auf die Nerven. Laute Hausmusik hat schon manche Nachbarn vor Gericht gebracht. Im Streit um Trompetenspiel im Reihenhaus hat der BGH jetzt klar gemacht: Es muss in gewissen Grenzen hingenommen werden.

Karlsruhe (dpa) - Wenn Nachbarn über das Musizieren im Reihenhaus streiten, dürfen Gerichte keine zu strengen Maßstäbe anlegen.

Hausmusik müsse in gewissen Grenzen als übliche Freizeitbeschäftigung möglich sein, urteilte der Karlsruher Bundesgerichtshof (BGH) in einem Verfahren aus Augsburg um das Trompetenspiel eines Berufsmusikers. Maßstab sei der verständige Durchschnittsmensch. (Az. V ZR 143/17)

Es komme allerdings immer auf den Einzelfall an. Die Art des Instruments, die wahrnehmbare Lautstärke im Nachbarhaus und mögliche Erkrankungen der Nachbarn müssten berücksichtigt werden. Der für das Nachbarrecht zuständige V. Zivilsenat hält zwei bis drei Stunden an Wochentagen und ein bis zwei Stunden an Sonn- und Feiertagen als Richtwert für angemessen. Dabei seien Ruhezeiten über Mittag und in der Nacht einzuhalten. Ob ein Berufsmusiker übe, spiele keine Rolle. «Er kann nicht mehr, aber auch nicht weniger Rechte haben», sagte die Vorsitzende Richterin Christina Stresemann.

Der Senat verwies den Fall zur Neuverhandlung an das Landgericht zurück. Dieses hatte dem Musiker lediglich zehn Übungsstunden pro Woche werktags zu bestimmten Zeiten im Dachgeschoss und an maximal acht Samstagen und Sonntagen je eine Stunde zugestanden. «Die Maßstäbe des Landgerichts sind zu streng», sagte Stresemann.

Auch über die Frage, ob der Trompeter weiterhin Schüler zwei Stunden pro Woche unterrichten darf, muss das Landgericht neu entscheiden. Hier kommt es nach BGH-Auffassung auch darauf an, ob nur Tonleitern geübt werden und wie viele falsche Töne ein Schüler spielt.

Das Trompetenspiel aus dem Dachgeschoss ist nach Feststellung des Landgerichts bei einem Ortstermin im Schlafzimmer der Nachbarn leise zu hören. Wenn der Beklagte in seinem Wohnzimmer spielt, ist das im Wohnzimmer nebenan in schwacher Zimmerlautstärke zu hören.

Der klagende Nachbar kündigte an, weiter alle rechtlichen Mittel auszuschöpfen, damit der Trompetenspieler einen Probenraum im Haus dämmt. Dann könnte dieser seinen Beruf vernünftig ausüben und die Nachbarn könnten ungestört im eigenen Haus leben, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Ankündigung des BGH

Mieterbund-Infos zu Musik in der Mietwohnung

Berliner Mieterverein über Musik in der Mietwohnung

Mieterbund über Hausmusik

Mieterbund über Zimmerlautstärke

BGH-Beschluss von 1998 zu Hausmusik

BGH-Urteil von 2013 zu Musikunterricht in der Mietwohnung

BVerfG-Entscheidung von 2009 zu Bußgeld wegen Klavierspiels

Mitteilung des BGH zum Urteil

Kommentare