Bilder: New York gedenkt der Opfer des 11. September

New York - Zehn Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 gedachten Angehörige und die ganzen USA der fast 3000 Opfer der islamistischen Anschläge. Und doch wurde auch gelächelt, die Hand ausgestreckt und in die Zukunft geblickt.

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Für einen kurzen Augenblick an diesem sonnigen Spätsommertag scheint die Zeit stillzustehen in den USA. Die lähmende Wirtschaftskrise, das nervige Parteiengezänk, die Arbeitslosigkeit - für ein paar Stunden an diesem 11. September scheint alles vergessen. Trauer, Erinnerung - und Optimismus: Die USA haben am Sonntag des größten Terroranschlags auf ihrem Boden vor zehn Jahren gedacht. Angehörige lasen in New York am Ground Zero die Namen der fast 3000 Menschen vor, die am 11. September 2001 bei dem islamistischen Anschlag starben - dabei auch immer wieder die von Deutschen. Unterbrochen wurde die Zeremonie von Gedenkminuten an den Zeitpunkten, an denen die Flugzeuge die Türme trafen und später, als die Gebäude zusammenstürzten.

Bilder: Gedenkfeiern zum 11. September

Gedenken an die Opfer des 11. September

Damals hatten islamistische Terroristen in einer Kommandoaktion vier Passagierflugzeuge entführt. Mit zwei Jets rasten sie in das World Trade Center und brachten beide Zwillingstürme zum Einsturz. Ein dritter Flieger stürzte auf das Pentagon. In einem Flugzeug leisteten die Passagiere Widerstand und brachten es bei Shanksville im Bundesstaat Pennsylvania zum Absturz - später stellte sich heraus, dass die Entführer es ins Weiße Haus oder in den Kongress lenken wollten.

Es war eine “stille Trauer“ ohne falsches Pathos. Die Hinterbliebenen selbst verlasen die Namen der Toten. “Wir vermissen Dich. Wir lieben Dich. Es geht uns gut und unsere Kinder sind großartig, aber Du fehlst uns so“, sagte ein Angehöriger. Auch Deutsche waren damals unter den Opfern. Jeder Name dauerte etwa eine Sekunde. Oftmals sprachen die Trauernden mit gebrochener Stimme, wischten sich Tränen aus dem Gesicht.

Politische Töne gab es dagegen bei einer Feier im Verteidigungsministerium (Pentagon) vor den Toren Washingtons, wo damals 184 Menschen starben. “Wir werden nicht aufhören, bis Al Kaida ... völlig zerstört ist“, sagte Vize-Präsident Joe Biden vor Soldaten. Al Kaida habe damals “einen Giganten geweckt“, sagte Verteidigungsminister Leon Panetta mit Blick auf den Anti-Terror-Kampf der USA. Am Nachmittag (Ortszeit) sollte Obama hier einen Kranz niederlegen.

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Zugleich war der Tag der Trauer von neuen Terrordrohungen überschattet. New York glich am Sonntag einer Stadt im Belagerungszustand. Auch in Washington gab es Straßensperren, U-Bahn-Passagiere wurden kontrolliert. Angeblich handelte es sich um eine Bedrohung mit Al-Kaida-Hintergrund.

Obama rezitierte in New York einen Psalm über das Gottvertrauen: “Darum fürchten wir uns nicht, wenn die Erde auch wankt, wenn Berge stürzen in die Tiefe des Meeres“. George W. Bush, der bei den Anschlägen vor zehn Jahren regierte, las aus einem tröstenden Brief seines fernen Amtsvorgängers Abraham Lincoln an eine Mutter vor, die im Bürgerkrieg fünf Söhne verloren hatte.

Beide Staatsmänner wurden in New York von ihren Ehefrauen Michelle und Laura begleitet. Zu Beginn sag ein Jugendchor die Hymne der USA. Gegen Ende sang der Musiker Paul passend seinen Welterfolg von 1965 “The Sound of Silence“ (Der Klang der Stille).

Neue Bilder vom 11. September

Bilder vom 11. September 2001

Die Angehörigen der Opfer bekamen zum ersten Mal einen gemeinsamen Ort für ihre Trauer: Im Schatten des neu entstehenden gewaltigen Büroturms “1 WTC“ wurde ein Gedenkpark eröffnet. Kern sind zwei quadratische Becken an den Stellen, an denen die Zwillingstürme standen. An ihren 60 Meter langen Kanten stürzt Wasser fast zehn Meter in die Tiefe. An den Rändern sind die Namen der Opfer eingraviert, auch von jenen sechs Menschen, die bei einem ersten islamistischen Anschlag auf den Komplex 1993 starben.

Obama legte später auch einen Kranz in Shanksville nieder, wo es 40 Opfer gegeben hatte. Bereits am Vortag hatte Bush dort erklärt: “Die Lektion des 11. September ist, dass das Böse wirklich existiert - aber auch der Mut.“ Der Widerstand sei “eine der mutigsten Taten in der amerikanischen Geschichte“.

Bereits am Vortag hatte sich Obama zufrieden über den zehn Jahre langen Kampf gegen den Terrorismus. “Die USA sind stärker und Al Kaida ist auf dem Weg zur Niederlage“, sagte er am Samstag in seiner wöchentlichen Rundfunkrede. Osama bin Laden und andere Al-Kaida-Führer seien getötet worden, die USA seien heute sicherer als vor zehn Jahren, die Sicherheitskräfte gestärkt.

Unmut: Feuerwehrmänner nicht eingeladen

Die gemeinsame Feier in New York wurde aber auch von Unmut begleitet. Die New Yorker Feuerwehrleute hatten den höchsten Blutzoll erbracht - und waren nicht eingeladen. In Interviews äußerten viele ihren Unmut. Bei CNN wurde ein “Firefighter“ befragt, warum er nicht an der Feier teilnehme, als Angehöriger eines Opfers dürfe er das doch. “Nein danke“, sagte er, “ich bin lieber hier draußen bei meinen Kameraden“.

Der zehnte Jahrestag war auch in der US-Hauptstadt Washington mit massiven Sicherheitsvorkehrungen verbunden. Alle 3800 Polizisten der Stadt seien zu 12-Stunden-Schichten eingeteilt worden, berichtete die lokale Zeitung “The Examiner“ unter Berufung auf die Metropolitan Police. Hinzu kamen viele Kräfte der Bundespolizei. Zufahrtstraßen zu Regierungs- und Parlamentsgebäuden waren weitgehend gesperrt. Bombenspürhunde untersuchten Fahrzeuge und U-Bahn-Stationen.

dpa/dapd

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