"Wir sitzen in der Ölfalle"

Venice - "Niemand kann mir sagen, was ich tun soll" - viele Anwohner an der Küste von Louisiana haben angesichts der Ölpest schon resigniert.

Das Meer am Golf von Mexiko ist bleigrau und aufgewühlt, die Windböen werden immer stärker. Dennoch steigen die Hubschrauber reihenweise auf, suchen die Küste von Louisiana nach ersten Spuren der Ölpest ab. An diesem Freitag ist D-Day an der Küste von Louisiana, doch Freddy Demoille hat schon vor Tagen resigniert. “Alles ist versaut: Die Austern, die Garnelen, die Krebse, die Fische“. Sein Geschäft sei kaputt, vermutlich für Monate, seine Zukunft: ungewiss! “Niemand kann mir sagen, was ich tun soll.“

Ölteppich erreicht Küste von Louisiana

Ölteppich erreicht Küste von Louisiana

Der Himmel über der Marina von Venice ist an diesem Tag ebenso trübe wie die Stimmung des 63-Jährigen. Demoille ist ein kleingewachsener Mann mit derben Schuhen, einem karierten Hemd und rauen Händen. “Ich bin 63 und mein ganzes Leben lang Garnelenfischer.“ Auch kleinere Öllecks habe er schon überlebt. “Schließlich sind wir hier am Golf von Mexiko“, da gehört das beinahe mit dazu. Doch so etwas wie jetzt habe ich noch nie erlebt.“

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Längst hat Demoille den Glauben an die diversen “Optionen“ verloren, mit denen die Ölexperten das schmierige Zeug angeblich in den Griff kriegen können. Auch den Nachrichten traut Demoille nicht mehr. “Die sagen uns nicht die Wahrheit.“ Dem Hubschrauber der Küstenwache, der in geringer Höhe über ihn hinwegfliegt, schaut er nur achselzuckend zu. Viel zu rau sei das Meer derzeit, als dass viel zu machen sei. “Das Öl schwappt einfach über die Sperren hinweg. Wir sitzen in der Ölfalle.“

Einen Steinwurf entfernt an der Marina von Cypress Grove steht Ajana Macintosh-Lee, eine attraktive junge Frau und PR-Angestellte von BP. Brav zählt sie Optionen auf, die die Experten verfolgen. Neben ihr verladen Arbeiter große, weiße Plastiksperren in ein Schiff. Diese “Boons“ genannten Sperren sind mit Dispersionsmittel getränkt, die das Öl aufsaugen sollen. Wie es aber konkret weitergehen soll, wie man die Lage in den Griff zu kriegen ist, weiß auch sie nicht so genau. “Wir verfolgen alle Möglichkeiten“, sagt sie, aber ihre Worte verwehen in immer schärfer werdenden Wind.

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“Das Öl tötet alles“, meint da nur lakonisch Chris Wilson (48), der ansonsten Touristen zum Sportangeln in den Golf schippert - doch alle Interessenten haben jetzt abgesagt. “Wer will schon im Öl angeln gehen!“

dpa

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