Nordkorea provoziert den Westen im Atompoker

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Nordkoreas Militärmachthaber Kim Jong Il umringt von seinen Generälen.

Seoul/Washington - Nach dem erneuten Atomtest Nordkoreas droht eine Eskalation im Atomstreit: Beim Nachbarn Südkorea werden neue Ängste geschürrt, die westlichen Regierung fühlen sich provoziert.

Nach ersten Erkenntnissen war die Bombe zehnmal so stark wie die bei einem ersten Test Ende 2006. Außerdem testete Nordkorea nach südkoreanischen Berichten noch drei Raketen mit kurzer Reichweite.

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Mit dem Atombombentest forderte Pjöngjang erneut den Westen heraus. US-Präsident Barack Obama verurteilte den Test mit scharfen Worten als “Gefährdung der ganzen Welt“ und vor allem Ostasiens. Der Weltsicherheitsrat wollte am Abend zu einer Sondersitzung zusammenkommen. “Diese unverantwortlichen Handlungen rechtfertigen eine harte Antwort der internationalen Gemeinschaft“, erklärte der EU-Außenbeauftragte Javier Solana in Brüssel. Obama erklärte in Washington, Pjöngjang habe mit seinen nuklearen Aktivitäten internationales Recht und internationale Abkommen verletzt. Der US-Präsident drohte eine “starke Antwort“ der USA an. Dennoch werde Washington auch seine diplomatischen Bemühungen verdoppeln, Nordkorea davon zu überzeugen, die zugesagte Nuklearabrüstung umzusetzen.

US-Außenministerin Hillary Clinton telefonierte mit ihren Kollegen in Japan, Hirofumi Nakasone, und in Südkorea, Yu Myung-hwan. Geplant waren noch für den Montag Gespräche mit den Außenministern Russlands und Chinas. Neben Nordkorea und den USA sind die angesprochenen Staaten Mitglieder der “Sechs-Parteien-Gespräche“ über Nordkoreas Atomprogramm. Clinton habe bei ihren Telefonaten “die Bedeutung einer starken, einheitlichen Haltung gegenüber dieser Bedrohung des internationalen Friedens und der Sicherheit“ betont, so der Sprecher des Ministeriums, Ian Kelly.

Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte die internationale Staatengemeinschaft am Montag in Berlin zu einem geschlossenen Vorgehen auf. Ziel müsse es sein, die sogenannten Sechser-Gespräche baldmöglichst wieder aufzunehmen. Auch Südkorea und Japan verurteilten den Atomtest aufs Schärfste. Die chinesische Regierung äußerte sich ebenfalls ablehnend zu dem Test ihres Verbündeten.

Die NATO kritisierte den Atomtest. “Dieses unverantwortliche Handeln Pjöngjangs stellt eine ernste Bedrohung von Frieden, Sicherheit und Stabilität in der asiatisch-pazifischen Region dar“, heißt es in einer Erklärung des Nordatlantikrats.

Diese Länder haben Atomwaffen

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Auch Israel zeigte sich besorgt. Die Weltgemeinschaft müsse jetzt entschlossen reagieren, um eine unmissverständliche Botschaft an andere Länder zu senden, heißt es in einer Erklärung des Außenministeriums. Israel habe auch Sorge vor einer atomaren Weiterverbreitung, die negative Auswirkungen auf die Region hätte.

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad kritisierte ebenfalls das Vorgehen Nordkoreas. Er forderte internationale Anstrengungen zur atomaren Abrüstung in aller Welt. Der Westen verdächtigt auch den Iran, Atombomben bauen zu wollen, was Teheran vehement bestreitet.

Der zweite unterirdische Atomtest sei Teil der “Maßnahmen zur Stärkung der atomaren Abschreckungskräfte zur Selbstverteidigung“ gewesen, hieß es in einem Bericht der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA. Der Test sei erfolgreich und die Explosion stärker als beim ersten Atomtest im Oktober 2006 gewesen. Mit dem Test sei auch die Kontrolltechnologie verbessert worden.

Der Atomtest bedeutet eine neue Eskalation im Streit um das nordkoreanische Atomwaffenprogramm. Das Land hatte Ende April mit einem Atomtest sowie neuen Raketentests gedroht. Es reagierte damit auf die Verurteilung durch den UN-Sicherheitsrat nach dem Test einer nordkoreanischen Rakete mit großer Reichweite

In dieser Nuklearanlage soll Nordkorea das waffenfähige Plutonium produzieren.

Die russischen Streitkräfte bestätigten den Atomwaffentest. Die Bombe hatte eine Sprengkraft wie die Atombombe, die 1945 von den USA auf die japanische Stadt Hiroshima abgeworfen worden war, meldete die Staatsagentur RIA Nowosti. Die Kernexplosion habe eine Kraft von 10 bis 20 Kilotonnen gehabt. Die Detonation sei etwa 80 Kilometer nordwestlich der Stadt Kilchu im Nordosten des Landes registriert worden. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover bestätigte den Test ebenfalls. Erste Auswertungen von Seismometern im Bayerischen Wald wiesen darauf hin, dass der Kernwaffentest in der Provinz Nord-Hamgyong nahe der chinesischen Grenze stattgefunden habe. Da es in diesem Gebiet nur eine sehr geringe Erdbebentätigkeit gebe, ist laut BGR von einem Kernwaffentest auszugehen. Aus der Erdbebenstärke von 4,7 lasse sich zudem auf eine Kraft der Explosion von rund 10 Kilotonnen schließen, die damit erheblich über dem ersten Versuch mit einer Kilotonne liege.

Nach Berichten der südkoreanischen Agentur Yonhap ließ Nordkorea am Montag dem Test einer Boden-Luft-Rakete am Montag zwei weitere Raketenstarts folgen. Diese beiden Raketen könnten den Zweck gehabt haben, US-Spionagejets von Flügen zur Beobachtung des Ortes im Nordosten des Landes abzuhalten, hieß es unter Berufung auf nicht genannte Quellen.

Nach Ansicht des russischen Nordkorea-Experten Andrej Lankow wollte der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Il durch den Test Stärke signalisieren. Kim habe Washington zeigen wollen: “Ich bin hier und ich bin gefährlich“, sagte Lankow der “Frankfurter Rundschau“.

dpa

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