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Ahnen des Menschen nutzten Alkohol seit Millionen Jahren

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Vorfahren des Menschen sollen bereits vor mehr als 10 Millionen Jahren Fallobst mit erhöhtem Ethanolgehalt aufgelesen haben. Foto: Patrick Pleul/Archiv

Gainesville (dpa) - Vorfahren des Menschen haben vermutlich bereits vor mindestens zehn Millionen Jahren Alkohol konsumiert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Forschern, die in den "Proceedings" der US-nationalen Akademie der Wissenschaften ("PNAS") vorgestellt wird.

Die Fähigkeit, Alkohol abbauen zu können, verschaffte den menschlichen Ahnen demnach einen wichtigen evolutionären Vorteil zu einer Zeit, als sie sich an ein Leben am Boden anpassen mussten. Bislang gingen viele Forscher davon aus, dass Menschen Alkohol erst seit etwa 9000 Jahren konsumieren. Damals fing der Homom sapiens damit an, Nahrungsmittel zu lagern und Fermentierungsprozesse gezielt zur Alkoholproduktion zu nutzen. Entsprechend wurde angenommen, dass Alkoholismus beim modernen Menschen Ausdruck einer unvollständigen Genom-Anpassung ist: Da der Mensch erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit Ethanol zu sich nehme, sei der Körper noch nicht in der Lage, diesen verträglich abzubauen.

Das Team um den Biologen Matthew Carrigan vom Santa Fe College in Gainesville (US-Staat Florida) analysierte nun das Enzym ADH4 (Alkoholdehydrogenase 4), das am Alkoholabbau beteiligt ist. Anhand der Gene von 28 Säugetieren, darunter 17 Primaten, rekonstruierten die Wissenschaftler die Evolutionsgeschichte des Enzyms über einen Zeitraum von 70 Millionen Jahren.

Die Untersuchung deutet darauf hin, dass vor mindestens zehn Millionen Jahren eine einzelne genetische Mutation unsere Ahnen - damals lebte noch der letzte gemeinsame Vorfahr von Mensch, Schimpanse und Gorilla - in die Lage versetzte, Alkohol abzubauen. Diese Fähigkeit bot möglicherweise einen entscheidenden evolutionären Vorteil, denn damals befand sich die Erde in einem dramatischen klimatischen Umbruch.

Während dieses Klimawandels vor etwa 15 Millionen Jahren wandelten sich die ausgedehnten Wälder Ostafrikas zu Graslandschaften. Infolgedessen mussten sich die dort lebenden menschlichen Ahnen an ein Leben auf dem Boden anpassen. Hier fanden sie den Forschern zufolge als Nahrungsmittel vermehrt Fallobst, das tendenziell einen höheren Ethanolgehalt aufweist als Früchte, die vom Baum gepflückt werden.

Die Fähigkeit, diese Früchte verdauen zu können, bedeutete gerade in Zeiten der Nahrungsmittelknappheit einen wichtigen Vorteil. Für die Wissenschaftler sind die Ergebnisse ihrer Studie nicht nur wichtig für das Verständnis der Anpassung von Hominiden an ein Leben auf dem Boden. "Mit ihnen könnte auch die medizinische Komplexität menschlicher Interaktion mit Ethanol heute besser verstanden werden", schreiben sie. Demnach wurde der Umgang mit Alkohol aus gesundheitlicher Sicht erst problematisch, als der Mensch Verfahren entwickelte, Getränke mit höherem Ethanolgehalt herzustellen.

Die Untersuchung der Biologen passt zur aktuellen Diskussion um unsere Ernährung: Derzeit begründen Forscher viele Zivilisationskrankheiten damit, dass der Mensch sich zu weit von den Nahrungsgewohnheiten seiner Vorfahren entfernt habe. Sie vermuten etwa, dass Diabetes, Fettleibigkeit und Bluthochdruck auch deshalb so häufig vorkommen, weil der Homo sapiens nicht genug Zeit gehabt habe, sich genetisch an die heutige zuckerreiche Ernährung anzupassen.

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