Sechs-Sekunden-Sex

Neue Video-App: Apple schlägt Porno-Alarm

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Die Mini-Video-App Vine macht Apple Porno-Probleme

Cupertino - Bei Pornos kennt Apple kein Pardon: Die sind laut den Geschäftsbedingungen verboten. Blöd nur: Die User einer neuen App, mit der Kurzvideos verbreitet werden können, halten sich nicht daran.

Apple hat ein Problem mit dem neuen Renner in seinem App-Store: Mit "Vine" können die User bis zu sechs Sekunden lange Videos mit der Kamera ihres Handys aufnehmen oder über ihren Computer hochladen und mit ihren Freunden teilen. Einen Mausklick später schlagen die Mini-Filmchen in Endlosschleife dann beim Kurznachrichtendienst Twitter auf. Eine spaßige Idee, die es seit ihrer Einführung vor fünf Tagen schnell auf den elften Platz der Gratis-App-Downloads geschafft hat. Doch die Freude über den Erfolg ist beim US-Computerkonzern getrübt. Denn der sittenstrenge Digital-Riese mag keinen Sex, seine User aber durchaus.

Nacktheit ist laut den Geschäftsbedingungen nicht an sich verboten, über die App wird aber haufenweise harter Schmuddelkram verbreitet - vor allem von Exhibitionisten und professionellen Sex-Dienstleistern zum Zwecke der Eigenwerbung. Das zeigt auch ein Blick auf vinepeek.com: Auf dem Portal laufen die aktuellsten Vine-Videos ungefiltert und in 'Echtzeit' ein.

Anstößiges Material könne gemeldet werden und werde umgehend gelöscht, erklärte ein Twitter-Sprecher dem Fachportal techcrunch, doch eine Lösung ist das nicht. Auch ein Hinweis, mit dem Apple vor allzu Explizitem warnen wollte, klappt nicht so recht: Bei vielen Sex-Sekündern erscheint der nämlich erst gar nicht. Gestern wurde eines der freizügigen Filmchen sogar ausdrücklich von der Redaktion empfohlen - aufgrund von "menschlichem Versagen", wie ein Sprecher des 140-Zeichen-Zwitscherers auf dessen offiziellem Blog betonte.

Jetzt hat man erst einmal die Suche nach eindeutigen Stichworten erschwert, so die taz. Eine Einbindung auf das soziale Netzerk Facebook war geplant, wird aber bis zur Lösung des Porno-Problems nicht umgesetzt, berichtet internetworld.com.

Dass Apple bei nackten Tatsachen geradezu reflexartig den Zensur-Hammer schwingt, mussten bereits die "Bild"-Zeitung und das "Stern"-Magazin erleben. Die prüden Apfel-Macher zogen deren Cover aus dem digitalen Verkehr, auf denen eine weibliche Brust zu sehen war. Wegen der heiklen Grenzziehung zwischen künstlerisch wertvollen Aktbildern und obszöner Fleischbeschau wurde kürzlich auch "500px", eine App für Profi-Fotografen, aus dem Angebot genommen.

Jetzt droht Vine möglicherweise ein ähnliches Schicksal.

hn

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