Teil 2: Ramona Hofmeister im Interview

"Natur und Heimat gehören einfach zu meinem Leben dazu"

Für Snowboarderin Ramona Hofmeister spielen Natur und Heimat eine große Rolle. Ende Mai beteiligte sie sich am Mountain Clean Up am Jenner und packte bei der Müllsammel-Aktion fleißig mit an.
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Für Snowboarderin Ramona Hofmeister spielen Natur und Heimat eine große Rolle. Ende Mai beteiligte sie sich am Mountain Clean Up am Jenner und packte bei der Müllsammel-Aktion fleißig mit an.

Im zweiten Teil des Interviews spricht Snowboard-Star Ramona Hofmeister über ihren Werdegang, die Bedeutung ihrer Heimat Bischofswiesen und ihr Markenzeichen, den Leoparden-Schal.

Bischofswiesen - Mit sechs Weltcupsiegen, zwei Siegen im Mixed und zwei Podestplätzen gewann Ramona Hofmeister in der vergangenen Weltcup-Saison als zweite deutsche Athletin nach Amelie Kober 2009 den Gesamtweltcup im alpinen Snowboard und avancierte zur erfolgreichsten deutschen Wintersportlerin der Saison 2019/20.


Im zweiten Teil des Interviews mit BGland24.de spricht die 24-Jährige aus Bischofswiesen über ihre Anfänge im Snowboard, das "Snowboard-Kompetenzzentrum Bischofswiesen", ihre Sorge um die Umwelt und wie aus einer gewöhnlichen Internetbestellung eine eigene Kollektion wurde.

Frau Hofmeister, wie sind Sie zum Snowboard gekommen?


Hofmeister: In meiner Heimat Bischofswiesen gehört der Wintersport einfach dazu. Meine zwei großen Schwestern sind Snowboard gefahren, das wollte ich dann auch ausprobieren. Mit vier Jahren stand ich erstmals auf dem Snowboard, war vom ersten Moment an begeistert und habe mich auch gut angestellt. Dann bin ich meine ersten Kinderrennen gefahren und habe schnell gemerkt, dass mich dieser Sport begeistert.

War Skifahren nie ein Thema?

Hofmeister: Ich bin auch auf Skiern gestanden, aber Snowboard hat mir einfach mehr Spaß gemacht. Und ich muss gestehen, dass ich eine schlechte Skifahrerin bin. (lacht)

Deutsche Snowboarder sammeln Müll am Jenner

Die Weltcup-Fahrerinnen Ramona Hofmeister (vorne) und Cheyenne Loch sammeln beim Mountain Clean Up Müll am Jenner.
Die Weltcup-Fahrerinnen Ramona Hofmeister (vorne) und Cheyenne Loch sammeln beim Mountain Clean Up Müll am Jenner. © Johannes Jank
Das Fundstück des Tages: Ein Autoreifen, mitten im Wald.
Das Fundstück des Tages: Ein Autoreifen, mitten im Wald. © Tobias Ruf
Das Fundstück des Tages: Ein Autoreifen, mitten im Wald.
Das Fundstück des Tages: Ein Autoreifen, mitten im Wald. © Tobias Ruf
Loch (vorne) und Hofmeister packen fleißig mit an.
Loch (vorne) und Hofmeister packen fleißig mit an. © Johannes Jank
Mountain-Clean Up am Jenner. Die deutschen Snowboarder finden unter anderem eine Vorrichtkasten für einen Feuermelder.
Mountain-Clean Up am Jenner. Die deutschen Snowboarder finden unter anderem eine Vorrichtkasten für einen Feuermelder. © Tobias Ruf
Eine Brille aus Metall, gefunden am Jenner.
Eine Brille aus Metall, gefunden am Jenner. © Tobias Ruf
Mountain-Clean Up am Jenner: Die deutschen Snowboarder sammeln Müll in den Alpen.
Mountain-Clean Up am Jenner: Die deutschen Snowboarder sammeln Müll in den Alpen. © Tobias Ruf
Auch Stefan Baumeister packt mit an
Auch Stefan Baumeister packt mit an © Tobias Ruf
Der Rosenheimer Freestyler Leon Vockensperger zeigt seinen Fund.
Der Rosenheimer Freestyler Leon Vockensperger zeigt seinen Fund. © Tobias Ruf
Es regnet in Strömen. Dennoch sammeln die Boarder fleißig weiter, eine Eisenstange lag am Wegesrand.
Es regnet in Strömen. Dennoch sammeln die Boarder fleißig weiter, eine Eisenstange lag am Wegesrand. © Tobias Ruf
Bauabfälle wurden auch gefunden.
Bauabfälle wurden auch gefunden. © Tobias Ruf
Der Sammeltrupp macht sich auf den Weg.
Der Sammeltrupp macht sich auf den Weg. © Johannes Jank
Leistungssportreferent Florian Heymann hat Spaß beim Sammeln.
Leistungssportreferent Florian Heymann hat Spaß beim Sammeln. © Johannes Jank
Die Kleinbusse begleiten die Boarder durch die Weltcup-Saison.
Die Kleinbusse begleiten die Boarder durch die Weltcup-Saison. © Johannes Jank
Christian Hupfauer (blau) auf dem Weg zum Speicherteich.
Christian Hupfauer (blau) auf dem Weg zum Speicherteich. © Johannes Jank
Teammanager Christian Thiel packt mit an.
Teammanager Christian Thiel packt mit an. © Johannes Jank
Teammanager Christian Thiel packt mit an.
Teammanager Christian Thiel packt mit an. © Joh annes Jank
Leon Vockensperger vom SC Rosenheim
Leon Vockensperger vom SC Rosenheim © Johannes Jank
Leon Vockensperger (vorne) und Johannes Höpfl sind fleißig.
Leon Vockensperger (vorne) und Johannes Höpfl sind fleißig. © Johannes Jank
Gruppenfoto nach getaner Arbeit.
Gruppenfoto nach getaner Arbeit. © Johannes Jank
Die Weltcup-Fahrerinnen Ramona Hofmeister (vorne und Cheyenne Loch sammeln beim Mountain Clean Up Müll am Jenner.
Die Weltcup-Fahrerinnen Ramona Hofmeister (vorne und Cheyenne Loch sammeln beim Mountain Clean Up Müll am Jenner. © Johannes Jank
An der Talstation der Jennerbahn geht es los.
An der Talstation der Jennerbahn geht es los. © Tobias Ruf
Stärkung für den Sammeltrupp: Selbstgebackene Snowboard-Germany-Muffins.
Stärkung für den Sammeltrupp: Selbstgebackene Snowboard-Germany-Muffins. © Tobias Ruf
Auch Weltcup-Fahrer Christian Hupfauer gönnt sich einen Muffin.
Auch Weltcup-Fahrer Christian Hupfauer gönnt sich einen Muffin. © Tobias Ruf
Blick aus der Jennerbahn: Es regnet in Strömen.
Blick aus der Jennerbahn: Es regnet in Strömen. © Tobias Ruf
Auch an der Mittelstation ist das Wetter regnerisch.
Auch an der Mittelstation ist das Wetter regnerisch. © Tobias Ruf
Letzte Instruktionen an der Mittelstation.
Letzte Instruktionen an der Mittelstation. © Tobias Ruf
Ramona Hofmeister am Speicherteich.
Ramona Hofmeister am Speicherteich. © Tobias Ruf
Ramona Hofmeister am Speicherteich.
Ramona Hofmeister am Speicherteich. © Tobias Ruf

Ab wann haben Sie gemerkt, dass der Sport mehr als nur ein Hobby für Sie ist?

Hofmeister: Im Vordergrund standen immer Spaß und Leidenschaft für den Sport, der Rest hat sich dann mehr oder weniger von selbst ergeben. Ich war schon von Kindesbeinen an beim WSV Bischofswiesen mit dabei, wir hatten dort eine große Gruppe von vielen snowboardbegeisterten Kindern. Ich war talentiert, habe fleißig trainiert und mich mit den Jahren immer weiter gesteigert. Im Alter von ca. 14 oder 15 habe ich bei nationalen und internationalen Wettkämpfen gesehen, dass ich konkurrenzfähig bin. Dann habe ich mich für den Weltcup qualifiziert, bin 2016 in Winterberg erstmals auf dem Podest gestanden hatte nebenbei die Möglichkeit, meinen Sport mit einer Ausbildung bei der bayerischen Polizei zu verbinden. Und so wurde dann aus meinem Hobby mein heutiger Beruf.

Melanie Hochreiter, Carolin Langenhorst und Sie kommen aus Bischofswiesen, starten für den WSV Bischofswiesen, sind alle Jahrgang 1996 und heute ein wichtiger Bestandteil des deutschen Nationalteams. Sind da aus Schulfreundinnen Teamkolleginnen geworden?

Hofmeister: (lacht) Wir sind sogar schon gemeinsam in den Kindergarten gegangen. Melanie, Carolin und ich sind unseren Weg von Beginn an gemeinsam gegangen. Das war für uns alle nicht nur ein großer von Freundschaft und Zusammenhalt geprägter Spaß, sondern auch sportlich eine große Bereicherung.

Fällt es schwer, gegen die Freundinnen in einem Wettkampf anzutreten?

Hofmeister: Ganz im Gegenteil. Ich fahre sogar gerne gegen meine Teamkolleginnen, da ich meine Gegnerin gut einschätzen kann und weiß, was mich erwartet. Wir sind alle als Einzelsportler unterwegs, das ist Teil unseres Sports und auch allen bewusst. Das Wichtigste dabei ist, dass wir grundsätzlich ein eingeschworener Haufen sind. Und wenn die eine dann mal schneller ist als die andere, gönnt man es ihr.

"Der Verein hat uns die Möglichkeit geschaffen, bis in die Weltspitze vorzudringen"

Was macht den Snowboard-Standort Bischofswiesen aus?

Hofmeister: Wir sind eine Gemeinde, in der der Wintersport eine große Rolle spielt. Die Möglichkeiten hier sind perfekt. Als ich als Kind mit dem Snowboarden angefangen habe, waren wir bis zu 30 Kinder, die Snowboard gefahren sind. Und dann gibt es ja noch die vielen anderen Sportarten, die beim WSV und anderen Vereinen im Landkreis Berchtesgaden angeboten werden. Neben der regionalen Komponente spielt die Vereinskultur beim WSV eine große Rolle. Ob Eltern, Freunde oder die zahlreichen Ehrenamtler: Der Verein lebt von seinen Mitgliedern und hat uns so die Möglichkeit geschaffen, bis in die Weltspitze vorzudringen.

Wie finanziert sich eine Profikarriere in einer Randsportart wie Snowboard?

Hofmeister: In jungen Jahren haben mich meine Eltern unterstützt, gerade im materiellen Bereich ist Snowboard ein teurer Sport. 2013 habe ich dann die Möglichkeit erhalten, eine Ausbildung bei der bayerischen Polizei zu machen. Bis heute bin ich bei der Polizei, was für mich ein ganz wichtiger Fixpunkt ist. Bis vor kurzem habe ich ein Praktikum auf der Dienststelle in Traunstein absolviert, was mir sehr viel Spaß gemacht hat. Zusätzlich werde ich von der Deutschen Sporthilfe unterstützt und habe Partner an meiner Seite, die mich  super unterstützen. Auch in schwierigen Zeiten wie heute, dafür bin ich sehr dankbar.

Sie bestreiten Ihre Rennen stets mit einem Schal in Leoparden-Muster. Was hat es damit auf sich?

Hofmeister: Den hatte ich mir einfach so mal im Internet bestellt und ihn als Glücksbringer bei Rennen getragen. Nach meinem ersten Weltcup-Podest 2016 in Winterberg rückte ich zunehmend in den Fokus und wurde oft auf den Schal angesprochen. Er hat sich dann im Laufe der Zeit zu einem echten Markenzeichen entwickelt und gehört inzwischen dazu. Ich möchte nicht mehr ohne fahren.

Sehen wir Sie heute also noch mit dem Schal aus dem Internet fahren?

Hofmeister: (lacht) Nein, natürlich nicht. Ich habe ihn oft gewechselt und natürlich auch regelmäßig gewaschen. Inzwischen habe ich sogar meine eigene Kollektion. Gemeinsam mit meinem Partner HEAD (Sportartikelhersteller) haben wir den Leoparden-Schal als Kollektion herausgebracht, mit meiner Unterschrift, die im Stoff eingenäht ist. Das macht mich sehr stolz.

Der Leoparden-Schal ist das Markenzeichen von Ramona Hofmeister.

Was haben ein Leopard und Ramona Hofmeister gemeinsam?

Hofmeister: Wir fahren beide gerne die Krallen aus, wenn es im Wettkampf ernst wird (lacht). Hinzu kommt, dass wir gerne rasant unterwegs sind, gerne auch mal Risiko eingehen und uns gezielt fokussieren können. Ich denke ich habe das richtige Tier als mein Markenzeichen ausgewählt.

Ist die mentale Komponente Ihre größte Stärke?

Hofmeister: Ja, das war schon in jungen Jahren so. Ich bin am Start eigentlich nie nervös und mache mir keinen Druck. Da kommt mir mein Naturell entgegen. Zudem arbeite ich mit dem Sportpsychologen aus unserer Mannschaft zusammen, hole mir dort weitere Tipps und Ratschläge.

Womit vertreiben Sie sich die Zeit abseits des Sports?

Hofmeister: Da bin ich sehr vielseitig unterwegs. Ich gehe, wenn es die Gesundheit zulässt, gerne Downhill-Biken und fahre Motocross. Um dann wirklich einmal abschalten zu können, backe ich gerne und spiele Klavier. Das ist eine ganz gute Mischung, mit der ich mich gut ablenken kann.

Klingt, als wären Sie ein neugieriger Typ?

Hofmeister: Das trifft definitiv auf mich zu und finde ich auch extrem wichtig.

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Welche Rolle spielt dabei Ihre Heimat?

Hofmeister: Eine extrem wichtige. Wir sind während der Saison so viel unterwegs, da genieße ich die Zeit, die ich zuhause verbringen kann, umso mehr. Ich lebe sehr gerne in Bischofswiesen und genieße es, einfach nur auf den Watzmann zu blicken. In meiner Freizeit bin ich viel in der Natur in und um Bischofswiesen, sie gehört zu meinem Leben einfach dazu.

Am 28. Mai haben Sie an der von Snowboard Germany veranstalteten Müllsammelaktion am Jenner teilgenommen. Welches Zeichen wollten Sie damit setzen?

Hofmeister: Ich war von Anfang an von der Aktion begeistert und sofort dabei. Auch wenn wir uns das Wetter natürlich anders vorgestellt hatten, war es super, dass wir der Umwelt und der Natur vor unserer Haustüre was Gutes tun konnten.

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Wie erleben Sie den Klimawandel?

Hofmeister: Es ist erschreckend zu sehen, wie schnell manche Gletscher in den letzten Jahren zurückgegangen sind. Wir kommen in viele Wintersportgebiete und sehen die Veränderungen sehr deutlich. Das stimmt mich sehr nachdenklich.

Frau Hofmeister, vielen Dank für das Gespräch

Quelle: BGland24.de

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