Lang anhaltende Folgen

Corona: „Schwerste Krise seit Zweitem Weltkrieg“? OECD stellt düstere Prognose für „zweite Welle“

Die Corona-Pandemie hat weltweit wirtschaftlich schwere Folgen. Viele Konzerne und Unternehmen trifft es hart. So auch den britischen Öl-Konzern BP.

Update vom 28. Juni, 22.30 Uhr: Weiterhin hält die Corona-Pandemie die Wirtschaftspolitik in Atem. Minister Peter Altmaier (CDU) hat nun einen weiteren Plan ersonnen, um unter anderen den Einzelhandel zu stützen.


Update vom 10. Juni, 21.28 Uhr: Die US-Notenbank Fed wird ihre Nullzinspolitik aufgrund der Corona-Krise voraussichtlich noch länger fortsetzen. Dies geht aus neuen Prognosen der Zentralbank hervor, die nach ihrer Zinssitzung am Mittwoch veröffentlicht wurden. Demnach gehen die meisten der geldpolitischen Entscheidungsträger der Fed davon aus, dass bis Ende 2022 das gegenwärtige Zinsniveau von nahezu null Prozent beibehalten wird.

Die Corona-Krise werden die Wirtschaft, den Arbeitsmarkt in Deutschland (die Statistik von August 2020) und die Inflation stark belasten, teilte die Fed mit. Es bestünden erhebliche konjunkturelle Risiken. Für dieses Jahr rechnet die Notenbank mit einer Schrumpfung der Wirtschaft um 6,5 Prozent, gefolgt von einem Wachstum um 5,0 Prozent im kommenden Jahr. Die Arbeitslosenquote dürfte in diesem Jahr 9,3 Prozent betragen und 2021 auf 6,5 Prozent sinken. Die Inflation wird den Prognosen zufolge bis 2022 unter dem Ziel der Fed von 2 Prozent liegen.


Mit Konjunkturpaket und Kurzarbeit will die Bundesregierung die Folgen der Krise lindern. Doch Mode-Riese C&A soll diese Hilfen auf verbotene Art ausgenutzt haben. 

Corona: „Schwerste Krise seit Zweitem Weltkrieg“? OECD stellt düstere Prognose für „zweite Welle“

Update 10. Juni, 11.00 Uhr: Die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) rechnet mit einem Einbruch der Weltwirtschaft von bis zu 7,6 Prozent. Bürger, Unternehmen und Staaten müssen sich wegen der Covid-19-Pandemie auf äußerst schwere und lang anhaltende Folgen einstellen. Die Organisation sprach am Mittwoch von der „schwersten Gesundheits- und Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg“.

Die OECD nahm Berechnungen für zwei Szenarien vor. Im ersten bleibt die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus „unter Kontrolle“, im zweiten gibt es eine zweite Infektionswelle. Bei einer kontrollierten Ausbreitung dürfte die Weltwirtschaft demnach in diesem Jahr um 6 Prozent schrumpfen, im schlimmeren Fall sogar um 7,6 Prozent.

In diesem besonders drastischen Szenario könnte die Wirtschaft in der Eurozone demnach 2020 um 11,5 Prozent schrumpfen und die Deutschlands um 8,8 Prozent. Damit wäre Europa im weltweiten Vergleich deutlich stärker betroffen. Im besten Fall rechnet die OECD mit einem europaweiten Verlust von 9,1 Prozent und einem Minus von 6,6 Prozent in Deutschland.

Deutschland steht mit einem Verlust von 6,6 bis 8,8 Prozent zwar vergleichsweise gut da. Die Bundesregierung rechnet aber bisher nur mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 6,3 Prozent und sieht die Lage damit optimistischer. Der OECD gehören 38 Länder an, darunter neben den meisten EU-Staaten auch die USA und Japan.

Corona-Krise: EZB stockt Notkaufprogramm um 600 Milliarden auf - Öl-Konzern will 10.000 Stellen streichen

Update 10. Juni, 06.13 Uhr: Wie die Corona-Krise und ihre wirtschaftlichen Folgen können auch Auswirkungen auf den weltweiten Frieden haben, wie eine Studie der Denkfabrik Institute for Economics and Peace (IEP) befürchtet. Demnach verzeichnet weltweit einen Rückgang friedlicher Verhältnisse in neun von zwölf der vergangenen Jahren, so auch 2019. Das Coronavirus könnte die Situation noch weiter verschlimmern. „Das IEP identifiziert die wirtschaftlichen Auswirkungen von Lockdowns als erhebliche Bedrohung für den Frieden“, heißt es in dem Bericht.

Corona-Krise: Öl-Konzern will 10.000 Stellen streichen

Update 8. Juni, 15.30 Uhr: Der britische Ölkonzern BP reagiert auf die Umsatzeinbußen im Zuge der Corona-Krise und will weltweit 10.000 Stellen streichen. Dabei soll es sich ausschließlich um Stellen in der Verwaltung handeln. An welchen Standorten die Kürzungen vorgenommen werden ist noch nicht bekannt. 

Darüber hinaus soll es für leitende Mitarbeiter in diesem Jahr keine Gehaltserhöhung geben und auch die Auszahlung von Boni an Mitarbeiter sei sehr unwahrscheinlich. Im ersten Quartal war die Nachfrage nach Öl durch die Corona-Krise in den Keller gegangen und dadurch der Ölpreis stark gefallen. Anders als das Konkurrenz-Unternehmen Shell, hat sich BP jedoch gegen Dividenden-Kürzungen für Anleger entschieden.  

Corona-Krise: EZB stockt Notkaufprogramm um 600 Milliarden auf

Update 4. Juni, 14.25 Uhr: Europas Währungshüter legen im Kampf gegen die beispiellosen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie noch einmal kräftig nach. Die Europäische Zentralbank (EZB) stockt ihr Corona-Notkaufprogramm für Anleihen um 600 Milliarden Euro auf 1,35 Billionen Euro auf. Das beschloss der EZB-Rat am Donnerstag in Frankfurt. Die Mindestlaufzeit des Kaufprogramms wird zudem um ein halbes Jahr bis Ende Juni 2021 verlängert.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte bereits Ende April betont: „Wir können aktuell bis Ende des Jahres über eine Billion Euro einsetzen.“ Der EZB-Rat sei bereit, den Umfang des Notkaufprogramms PEPP „so weit und so lange wie nötig anzupassen“. Zunächst hatte die EZB bis mindestens Jahresende 750 Milliarden Euro für den Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen im Rahmen des Corona-Notprogramms PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme) veranschlagt.

Die Wertpapierkäufe helfen Staaten wie Unternehmen: Sie müssen für ihre Papiere nicht so hohe Zinsen bieten, wenn eine Zentralbank als großer Käufer am Markt auftritt. In der Krise haben Staaten milliardenschwere Rettungspakete aufgelegt, das belastet die Haushalte.

Corona-Krise: Renault will 15.000 Stellen abbauen und ein Werk komplett schließen

Update 29. Mai, 18.36 Uhr: In Spanien wird ab Juni ein Grundeinkommen eingeführt. Das beschloss die Regierung in Madrid vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise. „Heute wurde in Spanien ein neues soziales Recht geschaffen“, sagte Pablo Iglesias, Chef des Linksbündnisses Podemos und stellvertretender Ministerpräsident.

Von dem Grundeinkommen werden nach Regierungsangaben voraussichtlich 850.000 bedürftige Haushalte profitieren. Das entspricht etwa 2,3 Millionen der rund 50 Millionen Einwohner Spaniens - rund 30 Prozent davon sind Minderjährige. Ein allein lebender Erwachsener hat Anspruch auf 462 Euro pro Monat. Familien erhalten zusätzlich 139 Euro pro Kopf, aber maximal 1015 Euro pro Haushalt.

Nach Regierungsangaben erhält damit jeder der Haushalte ein „garantiertes durchschnittliches Jahreseinkommen von 10.070 Euro“. Die neue Regelung kostet die Regierung voraussichtlich drei Milliarden Euro pro Jahr.

Corona-Krise: Renault will 15.000 Stellen abbauen und ein Werk komplett schließen

Update 29. Mai, 13.39 Uhr: Im Zuge seines Sparprogramms will der Autobauer Renault weltweit rund 15.000 Stellen abbauen und bis 2022 ein kleineres Werk für mechanische Teile im Pariser Großraum schließen. Renault-Präsident Jean-Dominique Senard betonte jedoch am Freitag bei einer Online-Pressekonferenz, dass weitere Fabrikschließungen nicht geplant seien. 

Senard machte aber deutlich, dass es in Inlandswerken Veränderungen geben müsse. In diesem Zusammenhang nannte er die Fabrik im nordfranzösischen Dieppe, wo bisher der Sportwagen Alpine gebaut werde. „Das ist kein Plan für Fabrikschließungen, das ist Sparplan“, stellte Senard klar. 

Update 27. Mai, 21.30 Uhr: Der angeschlagene Flugzeugbauer Boeing macht in der Corona-Krise mit seinem großen Stellenabbau ernst. Rund 6770 Mitarbeiter in den USA erhalten diese Woche ihre Entlassungsschreiben, wie der Airbus-Rivale nun mitgeteilt hat. Die Kündigungen kommen demnach zusätzlich zu etwa 5520 Angestellten, die Abfindungsangebote angenommen haben und den Konzern in den nächsten Wochen verlassen. In den kommenden Monaten werde es Tausende weitere Abgänge geben, erklärte Boeing-Chef Dave Calhoun in einem Memo an die Mitarbeiter.

Boeing: Corona-Krise verschärft wirtschaftliche Situation dramatisch

Die Entlassungswelle beim Rivalen des europäischen Airbus-Konzerns kommt nicht überraschend: Boeing hatte bereits Ende April angekündigt, seine Beschäftigtenzahl von rund 160.000 um etwa zehn Prozent zu reduzieren. Dieser Plan wurde nun lediglich konkretisiert. Der Konzern steckt aufgrund des Problemfliegers 737 Max, der nach zwei verheerenden Abstürzen seit mehr als einem Jahr weltweit mit Startverboten belegt ist, schon länger tief in der Krise. Die Corona-Pandemie, die den Luftverkehr nahezu zum Erliegen gebracht hat, hat das Unternehmen noch stärker unter Druck gebracht.

Update 26. Mai, 22.47 Uhr: Weltweit gelockerte Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie haben am Dienstag auch die Kurse an der Wall Street kräftig angeschoben. Der Dow Jones Industrial überwand erstmals seit dem 10. März wieder die Marke von 25 000 Punkten, konnte sich zur Schlussglocke aber nicht darüber behaupten. Er schloss 2,17 Prozent höher auf 24.995,11 Punkten. Knapp zwei Drittel der Einbußen des Corona-Crash hat der Dow mittlerweile wieder aufgeholt.

Allerdings hatten die US-Aktien auch Nachholbedarf: Wegen eines Feiertags waren die Börsen in den Vereinigten Staaten am Montag geschlossen geblieben, als es in Asien und Europa bereits aufwärts gegangen war.

Kelch-Kauf wegen Corona verboten: Vatikan bestätigt Finanz-Sorgen - Bald kein Geld mehr vom Papst?

Update vom 25. Mai, 19.10 Uhr: Nicht nur die profane Wirtschaft, selbst der Vatikan leidet finanziell unter der Corona-Krise: Schon vor knapp zwei Wochen bestätigte der Wirtschaftsverantwortliche des Heiligen Stuhls eine gewaltige Schieflage im Budget. Mit 25 bis 45 Prozent Mindereinnahmen aufgrund der Corona-Krise sei zu rechnen, sagte Pater Juan Antonio Guerrero Alves der Webseite Vatican News in einem Interview

Gründe sind offenbar auch Ausfälle bei Einnahmen durch die geschlossenen Museen des Vatikanstaates. Erschwerend kommt hinzu: Guerrero zufolge machte der Heilige Stuhl schon in den Jahren 2016 bis 2020 jeweils rund 50 Millionen Euro Miese. Das Problem dürfte sich in der Corona-Pandemie verschärfen.

Die Bild (Artikel hinter Bezahlschranke) will nun von deutlichen Sparmaßnahmen erfahren haben. Unter Berufung auf italienische Zeitungen schreibt das Blatt, Tagungen, Kongresse und Dienstreisen müssten abgesagt werden, Neueinkäufe von Büromöbeln, Kelchen und Gewändern seien untersagt. Die Domkapitulare der Peterskirche seien bereits über eine Gehaltskürzung informiert worden. Es gebe gar die Sorge, dass „der Papst die Gehälter der 3.000 Vatikan-Angestellten nicht mehr pünktlich zahlen kann“.

Kritik gibt es dem Bericht zufolge auch aus der katholischen Kirche in Deutschland: Die Bischöfe seien verwundert, dass der Vatikan „keinen Businessplan“ erstellt habe - trotz einer bereits 2014 versprochenen größeren Transparenz in der Wirtschaft des Vatikans unter Papst Franziskus.

Corona-Krise: Wirte hoffen auf die Lockerungen - doch Zahlen aus dem Ausland lassen Schlimmes erwarten

Update vom 24. Mai, 17.10 Uhr: Zu den großen Verlierern der Corona-Krise zählt die Gastronomie - nicht nur in Deutschland, sondern in aller Welt. Große Hoffnungen gibt es mit Blick auf die Lockerungen, die nun in vielen Ländern einsetzen. Doch aktuelle Zahlen aus der Schweiz dürften Wirt-Kollegen in anderen Staaten eher ernüchtern.

Schlechte Neuigkeiten aus der Schweiz: Trotz Corona-Lockerungen sind viele Lokale leer - hier die "Le Lyrique Cafe Brasserie" in Genf.

Die Gastronomiebetriebe in der Schweiz erwirtschaften laut einer Umfrage seit dem Neustart nach der Corona-Pause nur rund 40 Prozent der Umsätze im Vergleich zum Vorjahr. Wie der Branchenverband Gastrosuisse am Sonntag mitteilte, wissen 40 Prozent der mehr als 3000 befragten Betriebe nicht, ob sie im Juni noch offen bleiben können oder wollen. 

Laut der Online-Umfrage gehen neun von zehn Betrieben davon aus, dass sie derzeit einen Verlust erwirtschaften. „Ohne weitere Lockerungen müssen viele Lokale bereits im Juni wieder schließen, weil die Öffnung sehr unrentabel ist“, sagte Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer laut der Mitteilung. Die Schweizer Gastronomen durften ihre Betriebe, sofern Sitzplätze vorhanden sind, nach der coronabedingten Pause am 11. Mai wieder öffnen.

Wirtschaft in der Corona-Krise: Eines der größten VW-Werke bleibt geschlossen

Update vom 23. Mai, 17.43 Uhr: Die deutschen Automarken Volkswagen und Audi dürfen ihre Produktion in Mexiko nach dem coronabedingten Stopp erstmal nicht wie geplant wieder aufnehmen. Der Gouverneur des Bundesstaates Puebla Miguel Barbosa erließ ein entsprechendes Dekret, um die Zunahme von Corona-Infektionen* zu vermeiden. Darin heißt es, in Puebla herrschten keine Bedingungen für die Wiederaufnahme der Aktivitäten in der Automobilindustrie. Die mexikanische Regierung hatte diese Sparte in eine Liste der wirtschaftlich essenziellen Aktivitäten aufgenommen. Volkswagen Mexiko hatte am 20. März eine vorübergehende Einstellung seiner Produktion wegen der globalen Pandemie zunächst bis zum 12. April angekündigt. Später hieß es, im Laufe des Monats Mai gehe es wieder los. Dann sollten die zwei VW-Werke am 1. Juni wieder in Betrieb gehen.

Das VW-Werk in Puebla (Mexiko) ist eine der weltweit größten Produktionsstätten des Konzerns.

Die Wiederaufnahme der Aktivitäten von Volkswagen und Audi in Puebla würde nach einem Bericht der Zeitung La Razón die Rückkehr von mehr als 30.000 Mitarbeitern bedeuten. In Mexiko wurden inzwischen nach offiziellen Angaben 62.572 Menschen positiv auf das neuartige Coronavirus getestet, 6989 von ihnen starben demnach. Das VW-Werk in Puebla, rund 120 Kilometer südöstlich von Mexiko-Stadt, ist eines der größten des Konzerns weltweit. Im vergangenen Jahr wurden dort mehr als 440.000 Fahrzeuge der Modelle Tiguan, Jetta und Golf hergestellt. In der Fabrik in Guanajuato rund 350 Kilometer nordwestlich von Mexiko-Stadt wurden gut 330.000 Motoren gefertigt. Der Konzern, der sich in der Heimat Rassismus-Vorwürfen konfrontiert sieht, beschäftigt in Mexiko rund 13.000 Mitarbeiter.

Und nicht nur die Autoproduktion in Mexiko leidet, auch der brasilianische Regenwald ist mehr denn je in Gefahr: Abseits der Pandemie will man offenbar Gesetze zum Schutz des Waldes aushebeln. Der brasilianische Staatschef Jair Bolsonaro sieht sich außerdem mit ungeheuerlichen Vorwürfen konfrontiert.

Coronavirus: US-Autovermieter Hertz meldet Insolvenz an

Update vom 23. Mai, 8.46 Uhr: Der Autovermieter Hertz hat in der Corona-Krise in den USA Insolvenz angemeldet. Der Rückgang von Reisen habe zu einem „plötzlichen und dramatischen“ Einbruch bei Umsätzen und Buchungen geführt, teilte das Unternehmen mit Sitz in Estero im US-Bundesstaat Florida am Freitagabend (Ortszeit) mit. Während der wegen der Krise erforderlichen Umstrukturierungen würden die Geschäfte weitergeführt. Das Unternehmen habe mehr als eine Milliarde Dollar (920 Mio Euro) an Barbeständen, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Internationale Operationen des Autovermieters in Europa, Australien oder Neuseeland seien von dem Insolvenzantrag nicht betroffen.

In der Mitteilung hieß es, Hertz habe bereits Maßnahmen eingeleitet, als sich die Krise im März abgezeichnet habe. So sei damals beschlossen worden, 20.000 Mitarbeiter weltweit zu beurlauben oder zu entlassen - rund die Hälfte aller Beschäftigten. Die Zahl der Fahrzeuge und Standorte werde verringert. Man beabsichtige dennoch, Kunden weiterhin die gleiche Qualität anzubieten und Lieferanten sowie Arbeitnehmer zu bezahlen. Auch Treueprogramme sollten weitergeführt werden.

Update vom 22. Mai, 16.50 Uhr: Das Coronavirus könnte die Wirtschaft in aller Welt verändern. Experten erwarten nun sogar eine „Revolution“ für das Arbeitsleben. Möglicherweise mit sichtbaren Veränderungen in den Städten.

Corona: Renault vor dem Aus? Frankreich stellt Bedingungen - Lauda schließt größten Stützpunkt

Update vom 22. Mai, 11.20 Uhr: Nicht nur in Deutschland, auch im europäischen Ausland leiden Autobauer heftig unter den Folgen der Corona-Krise. „Renault kämpft um sein Überleben“, sagte Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire der Zeitung Le Figaro am Freitag. Der Konzern habe ein staatlich garantiertes Darlehen von fünf Milliarden Euro beantragt.

Genehmigt ist dieses laut Le Maire aber noch nicht. Der französische Staat knüpfe Bedingungen an die Hilfen: „Beim Elektrofahrzeug, beim Respekt gegenüber ihren Zulieferern und bei der Lokalisierung ihrer technologisch fortschrittlichsten Aktivitäten in Frankreich“ solle Renault Verpflichtungen eingehen. So dürfe etwa die große Fabrik Flins bei Paris nicht geschlossen werden. „Dies ist die Position der Regierung und des Staates als Aktionär“, sagte der Minister auch im Sender Europe 1.

Die Ryanair-Tochter Lauda schließt unterdessen nach einem Streit mit der Gewerkschaft Vida ihre Basis am Flughafen Wien - die Corona-Krise ist aber offenbar ein Mitgrund. Wie das Unternehmen am Freitag mitteilte, sind von dem Schritt 300 Arbeitsplätze betroffen. Die Fluggesellschaft hatte der Gewerkschaft zuletzt ein Ultimatum gestellt. Die Gewerkschaft weigerte sich aber, aufgrund der Corona-Krise einen neuen Tarifvertrag mit deutlichen Lohnkürzungen für die Mitarbeiter zu unterzeichnen. Die Basis wird laut der Ankündigung am 29. Mai geschlossen.

Die Basis Wien ist der mit Abstand größte Stützpunkt der Ryanair-Tochter, die zurzeit auf eine Flotte von 26 Flugzeugen kommt. Die Maschinen stehen wegen der Corona-Pandemie am Boden.

Corona-Krise: EU-Wirtschaft getroffen „wie von Asteroid“ - UN fürchtet übles Novum

Ursula von der Leyens EU-Kommission sieht die europäische Wirtschaft von der Corona-Pandemie schwer getroffen.

Erstmeldung: New York/Brüssel - Die Weltwirtschaft steht in der Corona-Krise vor einem Bruch ungeahnten Ausmaßes: Nach Angaben der UN könnte erstmals überhaupt der seit drei Jahrzehnten gemessene „Grad der menschlichen Entwicklung“ sinken. Die EU sucht unterdessen weiter nach dem richtigen Wirtschafts-Kurs. Für die deutsche Politik gibt es ungewohntes Lob - europäische Unternehmen stehen aber weiter im Fokus Chinas, wie ein aktuelles Beispiel zeigt. 

Coronavirus trifft Weltwirtschaft: UN fürchtet Rückgang beim „Grad der menschlichen Entwicklung“ 

Die Mitteilung der Vereinten Nationen vom Mittwoch klang in jedem Falle drastisch. Der Grad der menschlichen Entwicklung könnte ihren Angaben zufolge in diesem Jahr zum ersten Mal überhaupt sinken - wegen der Corona-Krise. Die UN-Entwicklungsagentur UNDP machte dafür am Mittwoch vor allem eine tiefe wirtschaftliche Rezession sowie die Schließung von Bildungseinrichtungen verantwortlich.

Nach UNDP-Schätzungen bekommen 60 Prozent der Grundschüler weltweit momentan keinen Unterricht - so viele wie seit den Achtzigerjahren nicht mehr. Dabei sei die Situation in den Entwicklungsländern deutlich schlimmer als in Industrienationen. Die Agentur sprach von einer „beispiellosen Krise“.

„Die Welt hat in den letzten 30 Jahren viele Krisen erlebt, einschließlich der globalen Finanzkrise 2007 bis 2009. Jede hat die menschliche Entwicklung hart getroffen, aber insgesamt sind weltweit im Vergleich zum Vorjahr Entwicklungsgewinne zu verzeichnen gewesen“, sagte UNDP-Chef Achim Steiner. Wegen der Rückschläge in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Einkommen in der Corona-Krise könne es nun aber zum ersten Mal zu einem Rückgang kommen.

Corona: EU empfiehlt Investitionen für Wirtschaft - Rat gilt auch für Deutschland

Die EU-Kommission empfiehlt den Mitgliedsstaaten unterdessen kräftige Investitionen. In ihren am Mittwoch veröffentlichten wirtschaftspolitischen Empfehlungen rät sie: Investitionen vorziehen und erst mittelfristig wieder auf solide Staatsfinanzen achten. Diese Empfehlung gilt auch für Deutschland, heftigen Rückgängen bei den Steuereinnahmen zum Trotz.

Die Kommission veröffentlicht regelmäßig gezielte Empfehlungen an alle EU-Staaten, um die Wirtschafts- und Finanzpolitik zu koordinieren. Diesmal stehen sie ganz im Zeichen der Corona-Krise. Sie sollen auch eine Rolle bei dem geplanten milliardenschweren Programm zur wirtschaftlichen Erholung spielen, das die Kommission nächste Woche präsentieren will. Gestritten wird in der EU über ein von Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron vorgestelltes Hilfs-Programm. In den vergangenen Wochen war ausufernd über sogenannte Corona-Bonds* gestritten worden.

Coronavirus: „Kraterförmiges Loch in der Wirtschaft“ - EU-Kommission warnt und lobt Deutschland

„Das Coronavirus hat uns getroffen wie ein Asteroid und hat ein kraterförmiges Loch in der europäischen Wirtschaft hinterlassen“, erklärte der für Wirtschaft zuständige Vizepräsident Valdis Dombrovskis. Einzelne Staaten und Branchen seien unterschiedlich betroffen. Doch die Wirtschaft sei so verflochten, dass der Erholung in einzelnen Staaten direkt auch auf andere durchschlage. Nötig sei eine gezielte und koordinierte Reaktion.

EU-Kommissions-Vizepräsident Valdis Dombrovskis wählte am Mittwoch drastische Worte für die wirtschaftliche Lage in Europa.

Dombrovskis betonte, dass die Kommission zwar die Defizite in den Staatshaushalten im Auge behalte, vorerst aber keine Strafmaßnahmen in die Wege leiten will. Währungskommissar Paolo Gentiloni sagte, die Botschaft sei klar: „Unternehmen Sie alle notwendigen Maßnahmen, um der Pandemie effektiv zu begegnen, die Wirtschaft zu erhalten und die anschließende Erholung zu unterstützen.“

Deutschland wird in den Länder-Empfehlungen eine starke Reaktion auf die Krise und ein gutes Gesundheitswesen bescheinigt. Dennoch sieht die Kommission Bedarf, das Gesundheitssystem weiter zu stärken. Generell lautet die Aufforderung an Berlin, öffentliche Investitionen vorziehen und private Investitionen unterstützen, und zwar vor allem in grüne und digitale Projekte, saubere Energie, nachhaltigen Verkehr, Wohnungsbau, Bildung, Forschung und bessere Online-Dienste der Behörden.

Coronavirus: China nimmt europäische Unternehmens ins Visier - jetzt Beteiligung an Norwegian

Dass sich die europäische Wirtschaft weiter in Turbulenzen befindet, zeigt unterdessen auch diese Meldung vom Mittwoch: Ein vom chinesischen Staat kontrollierter Leasingkonzern wird Großaktionär der angeschlagenen Billigfluglinie Norwegian Air Shuttle. Die Luftfahrt, auch die deutsche Lufthansa, sind massiv von der Krise betroffen.

BOC Aviation besitzt künftig einen Anteil von 12,67 Prozent an der Airline, wie diese am Mittwoch mitteilte. Größter Anteilseigner wird demnach mit 15,9 Prozent die irische Leasinggesellschaft AerCap Holdings, die über Wandelanleihen zudem weitere 7,2 Prozent erworben hat. Norwegian war einer der ersten Billigflieger, der auch Langstrecken anbot.

Ein anderes bekanntes Opfer der wirtschaftlichen Corona-Folgen war zuletzt die US-Schuhkette „Runners Point“ - die Konsequenzen sind auch in Deutschland zu spüren. Debattiert wird hierzulande auch der Umgang der Unternehmen mit Dividenden bei gleichzeitigen Staatshilfen.

Der Virologe Christian Drosten sieht zwar optimistisch in die Zukunft, äußert aber auch eine Befürchtung wegen des Virus.

dpa/AFP/fn

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