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Geschäftsführung im Interview

Droht Wassermangel in Bergen und Siegsdorf? Die Adelholzener Alpenquellen über ihre Expansionspläne

Die beiden Vorstände Stefan Hoechter (links) und Peter Lachenmeir haben mit einem stagnierenden Markt zu tun. Trotz der Rahmenbedingungen spielen christliche Werte in ihren Management-Aufgaben eine Rolle.
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Die beiden Vorstände Stefan Hoechter (links) und Peter Lachenmeir haben mit einem stagnierenden Markt zu tun. Trotz der Rahmenbedingungen spielen christliche Werte in ihren Management-Aufgaben eine Rolle.

Siegsdorf – Die Adelholzener Alpenquellen sorgen für Aufregung im Chiemgau, weil sie wachsen wollen. Wir haben mit den beiden Geschäftsführern Peter Lachenmeir und Stefan Hoechter über die Pläne gesprochen. Müssen sich Siegsdorf und Bergen ums Grundwasser sorgen?

Die Alpenquellen wollen wachsen – was sind die Gründe?

Peter Lachenmeir : Wir haben eine längerfristige Unternehmensplanung gemacht, die bis zum Jahr 2040 geht. Hierfür haben wir uns auch das Wachstum der letzten 20 Jahre angesehen – durchschnittlich sind wir jährlich um ca. 3,2 gewachsen. In der Planung bis 2040 rechnen wir mit einem jährlichen Wachstum von etwas über zwei Prozent. Die Branche ist in den vergangenen Jahren eher stagniert. Wir brauchen allerdings ein moderates Wachstum, um den Markt bedienen zu können.

Stefan Hoechter: Ohne Mengenwachstum können wir langfristig viele Dinge nicht mehr tun und das Unternehmen nicht mehr gesund weiterentwickeln.

Wie ist ihre Strategie angesichts der Stagnation auf dem Markt?

Hoechter: Wir haben schon früh auf Glas-Mehrwegflaschen gesetzt und das hat der Verbraucher honoriert. Seit März bieten wir eine neue Glasflasche mit 0,33 Liter an, die ebenfalls schon erste Erfolge zeigt. Zudem haben wir über das bayerische Kerngebiet hinaus das Absatzgebiet erweitert und betreuen dies mit einer eigenen Vertriebsmannschaft. Die stärksten Zugewinne an Absätzen haben wir allerdings nach wie vor in Bayern. Das liegt auch an unseren Innovationen, etwa dem heimischen Rhabarber Erfrischungsgetränk und der neuen Primella Limonade, die primär im Stammgebiet verbreitet sind.

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Was wird sich denn konkret verändern in den kommenden Jahren?

Lachenmeir: Wir werden unsere Vision Schritt für Schritt und mit Bedacht umsetzen, der Zeithorizont bis 2040 ist ja sehr groß. Eigentlich steht auf dem Unternehmensgelände seit Jahren immer wieder ein Baukran und wir haben nach und nach diverse bauliche Veränderungen getätigt. Jetzt ist es so, dass wir an unsere Grenzen stoßen. Es gab schon den Fall, dass wir Produkte vom Markt nehmen mussten, weil wir einfach keine Kapazitäten hatten. Wir brauchen zum Beispiel eine neue Abfüllanlage für Glas – Mehrwegflaschen, um die steigende Nachfrage zu bedienen. Uns war wichtig, für die Zukunft eine langfristige Planung zu haben. Das wurde übrigens seitens der Gemeinden Siegsdorf und Bergen sehr positiv aufgenommen.

Viele Menschen aus der Umgebung machen sich Sorgen ums Wasser.

Lachenmeir: Es gibt ein klares Wassernutzungsrecht und wir werden streng kontrolliert, dass wir nicht mehr nutzen, als wir dürfen. Wir haben ein Monitoring- System installiert, um den Wasserpegel zu kontrollieren. Den Betrachtungen liegen auch Klimadaten mit Aufzeichnungen der Niederschläge zugrunde. Wobei wir hier in der Alpenregion eine sehr konstante Niederschlagsmenge haben. Laut Forschern soll der Klimawandel sogar im Alpenraum zu mehr und nicht weniger Niederschlag führen. Wir würden in unseren Standort auch nicht investieren, wenn wir bald kein Wasser mehr hätten.

Bleibt denn die Entnahmemenge gleich?

Lachenmeir: Im bestehenden Wasserrecht ist eine Menge festgelegt, die wir aktuell nicht ausschöpfen. Dieses Wasserrecht läuft 2025 aus und wir werden es in der gleichen Höhe wieder beantragen. Aber, richtig, wir werden tatsächlich mehr entnehmen als vorher. Insgesamt werden wir aber deutlich effizienter: Zum Beispiel unsere Flaschenwaschanlage benötigt heute viel weniger Wasser als früher. Zukünftig wird unsere Produktion verhältnismäßig einen deutlich niedrigeren Wasserverbrauch aufweisen.

Sind Mineralwasser und Apfelschorle eigentlich noch Produkte der Zukunft. Die Pasta soll künftig aus dem 3D-Drucker kommen, vielleicht die Apfelschorle auch aus einem Pad, das zuhause aufgegossen wird?

Hoechter: In der Tat ist es so, dass beispielsweise Weltkonzerne wie Coca-Cola Sirupe verkaufen. Bei Verbraucherbefragungen stellen wir fest, dass jungen Menschen das zu umständlich ist: es bedarf eines Gerätes wie einen Wassersprudler, dann benötigt man einen Sirup, den man entsprechend mit Wasser mischen muss, um diese Mischung dann in ein Behältnis zur Mitnahme zu füllen. Das kann man alles machen, aber mit einfacher Handhabung oder Lebensfreude hat das nur wenig zu tun.

Ihre Gesellschafter sind die Barmherzigen Schwestern. Wie wirkt sich die Tatsache, dass Sie einen religiösen Träger haben, bei Ihnen aus?

Lachenmeir: Wir haben Mitarbeiter aus allen Religionsgemeinschaften und sind kein Tendenzbetrieb. Die Religion spielt vielleicht keine so große Rolle, aber Werte sind uns wichtig. Wir haben uns kürzlich erst die Frage gestellt, wie man die Werte einer Ordensgemeinschaft auf ein Unternehmen übertragen kann. Die Antwort ist, dass es geht. Wir arbeiten jetzt mit unseren Führungskräften intensiv daran, die Werte auf unsere tägliche Arbeit zu übertragen. Das ist kein Gerede, sondern ernst gemeint. Wir wollen mit Menschen wertschätzend umgehen, sehen aber auch wirtschaftliches Handeln als Schöpfungsauftrag. Das wollen wir leben. Unser Gesellschafter sind Ordensfrauen und haben Armut gelobt. Die Gewinne gehen zu hundert Prozent in die Krankenhäuser, Altenheime und weitere soziale Projekte der Ordenskongregation. Das macht unsere Mitarbeiter sehr stolz.

Welche Rolle spielt Religion bei Ihnen persönlich? Sind Sie gläubig und regelmäßige Kirchgänger?

Hoechter: Spiritualität und Glaube spielt für mich eine sehr große Rolle. Von Tag eins meiner Beschäftigung an habe ich sehr gerne und mit viel Stolz für diesen besonderen und einzigartigen Gesellschafter gearbeitet. Das Motto des hl. Vinzenz von Paul, dem Ordensgründer „Liebe sei Tat“ wird sowohl im Orden als auch bei den Adelholzener Alpenquellen wirklich gelebt.

Lachenmeir: Ich bin Christ und früher war ich Pfarrgemeinderat. Ich bin überzeugt davon, dass christliche Werte Gemeinschaften Stabilität, Richtung und Halt geben. Deshalb bin ich auch gerne in Adelholzen, weil ich hier die christlichen Werte sehr authentisch und ehrlich erlebe. Das habe ich schon beim Bewerbungsgespräch vor langer Zeit gemerkt, als die Generaloberin dabei war - da ist ein guter Umgang da. Ein besonderes Unternehmen.

Eine stagnierende Branche und ein harter Markt - es klingt nicht leicht, sich unter solchen Rahmenbedingungen an christlichen Werten zu orientieren.

Lachenmeir: Ich glaube eine gute Unternehmenskultur - basierend auf christlichen Werten kann die Menschen dazu bringen, dass sie engagierter sind und somit durchaus effizient und produktiv. Kultur macht da viel aus, egal ob christlich oder nicht christlich angehaucht.

Dennoch kritisiert Sepp Parzinger, der SPD-Kreisvorsitzende, dass Adelholzener nicht im Tarif ist.

Lachenmeir: Wir sind tatsächlich nicht im NGG-Tarif, aber lehnen uns daran an. Der Tarif ist aus unserer Sicht nicht mehr so modern, dass ein Unternehmen unserer Größe sich noch daran orientieren kann. Bei uns gibt es beispielsweise Stellen, die im Tarif gar nicht abgebildet sind. Wir können mit gutem Gewissen sagen, dass wir eher über Tarif bezahlen.

Wie wirken sich der Ukrainekrieg und die Rohstoffkrise bei Ihnen aus?

Lachenmeir: Wir haben sehr starke Kostensteigerungen. Lieferketten kamen aber schon während der Pandemie aus dem Tritt. Nun spüren wir zusätzlich steigende Energiepreise. Von den Papieretiketten bis zum Aluminiumdeckel. Wir haben keine Lieferprobleme, aber es wird aufwendiger, das zu organisieren. Es fehlen beispielsweise Fahrer, die oft aus der Ukraine kommen.

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