Sorge vor Beschränkungen im Weihnachtsgeschäft

Handel schlägt Alarm: Neuen Corona-Lockdown werden viele Händler nicht überstehen

Die leere Innenstadt von Pfarrkirchen. Angesichts extrem gestiegener Corona-Zahlen gelten jetzt im niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn strikte Ausgangsbeschränkungen.
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Leere Innenstadt im niederbayerischen Pfarrkirchen: Der Handelsverband HDE warnt eindringlich vor weiteren Einschränkungen in der Corona-Pandemie.

Der Handelsverband sieht die Diskussion um weitere Einschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie mit großer Sorge. Vielen Firmen drohe das Aus, warnte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

  • Für viele Händler ist das Weihnachtsgeschäft der wichtigste Umsatzbringer des Jahres.
  • Doch angesichts der zweiten Corona-Welle drohen nun ausgerechnet vor Weihnachten neue Einschränkungen.
  • Der Handelsverband HDE warnt vor einem Ladensterben.

München. Der Einzelhandelsverband HDE hat die Bundesregierung eindringlich vor weiteren Ausgangsbeschränkungen im wichtigen Weihnachtsgeschäft gewarnt. „Einen bundesweiten Lockdown mit erneuten Geschäftsschließungen gilt es unbedingt zu verhindern“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland, Stefan Genth, gegenüber Merkur.de*. Bei vielen Unternehmen seien „die Rücklagen schon jetzt restlos aufgebraucht“. Einen weiteren Einschnitt „würden viele Händler in den Innenstädten nicht mehr überstehen“, warnte Genth.

Das Weihnachtsgeschäft ist für den Einzelhandel traditionell die wichtigste Jahreszeit. So machen etwa Spielwarenhändler rund 22 Prozent ihrer Einnahmen im November und Dezember, bei Uhren- und Schmuckhändlern liegt der entsprechende Umsatzanteil bei 23 Prozent.


Handel: Viele Geschäfte machen ein Fünftel ihres Umsatzes vor Weihnachten

Bundeskanzlerin Angela Merkel will mit den Ministerpräsidenten der Länder am Mittwoch (28.11.2020) über weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Corona*-Pandemie beraten. Mögliche Einschränkungen dürften die Händler in den Innenstädten daher besonders hart treffen. Bereits im Frühjahr mussten viele Geschäfte drastische Umsatzeinbußen verkraften. Angesichts des Lockdowns kauften viele Menschen stattdessen verstärkt im Internet ein.

Das hat dem ohnehin boomenden Online-Handel einen zusätzlichen Schub beschert. Alleine im laufenden Jahr will etwa der weltgrößte Online-Händler Amazon 100.000 Mitarbeiter einstellen. In Deutschland zahlt das Unternehmen Medienberichten zufolge allerdings kaum Steuern. Das sorgt hierzulande immer wieder für heftige Diskussionen.

Mit Blick auf das Gipfeltreffen am Mittwoch sagte Genth, für erneute Geschäftsschließungen gebe es „keinen Grund“. Der Handel habe mit „umfassenden Hygienekonzepten gezeigt, dass Einkaufen sicher ist.“

HDE: Mehrwertsteuer dauerhaft senken

Zugleich sprach sich Genth für eine dauerhafte Absenkung der Mehrwertsteuer aus. Wegen Corona würden viele Kunden die Innenstädte derzeit meiden. Damit die Mehrwertsteuersenkung auch dem stationären Handel „einen echten Schub verleihen kann, sollte sie auf jeden Fall über das Ende der Pandemie hinauswirken“, forderte Genth. Um den Konsum anzukurbeln, hatte die Bundesregierung die Mehrwertsteuer-Sätze zum 1. Juli von 19 auf 16 Prozent bzw. von 7 auf 5 Prozent gesenkt.

Zugleich forderte der HDE-Geschäftsführer erneut die Einrichtung eines staatlichen Digitalisierungsfonds. Hierfür sollten in einem ersten Schritt 100 Millionen Euro bereitstehen. Nach den Vorstellungen des HDE sollten interessierte Händler gemeinsam mit Beratern geeignete Digitalisierungsmaßnahmen ermitteln. Die Umsetzung solle dann aus dem Digitalisierungsfonds gefördert werden. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen Digital Redaktionsnetzwerks.

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