Mögliche Free-Now-Übernahme

Taxi-Chef für BaWü wütend - heftige Kritik am Fahrdienst Uber

Ein Mietwagen von Uber und ein Schild mit dem Uber-Schriftzug
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Der baden-württembergische Taxi-Chef übt harsche Kritik an Uber.

Uber könnte seinen Konkurrenten Free Now übernehmen und somit noch stärker in den deutschen Markt drängen. Vom Taxi-Chef in Baden-Württemberg gibt es harte Kritik.

Stuttgart - Ginge es nach dem Film „Zurück in die Zukunft II“ würden unsere Autos bereits seit 2015 fliegen. Dank der Entwicklung von Flugtaxis sind wir dieser Vision inzwischen ein Stück näher gekommen. Doch vorerst bleibt es Zukunftsmusik, denn die Autoindustrie arbeitet aktuell an der Elektrifizierung und Digitalisierung der fahrbaren Untersätze.


Doch in einem Punkt hat „Zurück in die Zukunft II“ recht - die Art, wie wir uns fortbewegen, befindet sich in einem Wandel. Ein eigenes Auto ist nicht mehr so wichtig wie noch vor einigen Jahren, laut der Automobilwoche würde die Hälfte der Deutschen auf ein eigenes Auto verzichten. Stattdessen boomen sogenannte Mobilitätsdienste, wie Uber oder Free Now.

Uber in der Kritik: Schwieriger Start auf dem deutschen Markt


Letzterer ist 2009 unter dem Namen mytaxi in Hamburg gegründet worden und war am Anfang eine reine Taxi-App. Inzwischen ist das einstige Taxi-Start-up unter der Führung von Daimler* und BMW zu einem europäischen Uber-Konkurrenten geworden und hat das Interesse der Amerikaner geweckt*.

Denn die tun sich seit Jahren schwer auf dem deutschen Markt und mussten mehrfach auf Verbote von Gerichten reagieren und ihren Service anpassten. Der Dienst UberPop, bei dem Fahrten an Privatpersonen vermittelt wurden, ist in Deutschland verboten. Inzwischen ist Uber in mehreren Städten in Deutschland vertreten - darunter auch Stuttgart in Baden-Württemberg* - und bietet dort mit UberX Fahrten mit Mietwagen an. Doch auch dieser Service wurde laut tagesspiegel.de im Dezember 2019 vom Frankfurter Landesgericht beanstandet und per einstweiliger Verfügung untersagt. Uber reagierte und passte sein Vermittlungsmodell in Deutschland an.

Uber in der Kritik: Scharfe Kritik vom Taxiverband Baden-Württemberg

Von Anfang an zog Uber dabei den Unmut der Taxi-Branche auf sich. Denn anders als der neue Konkurrent müssen sich die Taxiunternehmen registrieren und werden strengen Kontrollen unterzogen. „Uber will uns eine schöne heile Welt mit digitaler Technik und Innovation vormachen“, erklärt Thomas Laschuk, Vorsitzender des Taxi-Landesverbands Baden-Württemberg, auf Anfrage von echo24.de*.

Unterm Strich geht es aber auch bei Uber nur um ein Ziel: Menschen von A nach B zu befördern. „Das machen die Taxis schon seit Jahrhunderten und sind dabei oftmals auch preiswerter. Außerdem bieten Taxis jede Menge individuellen Service an. Von der Krankenfahrt bis zum Einkaufsservice“, erklärt der Taxi-Boss. Doch auch Uber bietet längst weit mehr als nur einfache Fahrten von A nach B an. So lassen sich über die Uber-App inzwischen auch bequem E-Scooter buchen.

Uber in der Kritik: Taxiverband fordert härtere Regeln

Für Laschuk gibt Uber hingegen nur vor, man könne „das Rad neu erfinden“. Für ihn ist das Ziel von Uber klar: „Zerstörung von gewachsenen und bewährten Strukturen, um eigene Strukturen zu etablieren und zu bestimmen.“ Das müsse auch die Politik erkennen.

Die Taxifahrer in Deutschland sind bereits mehrfach gegen Uber und andere Konkurrenten auf die Straße gegangen.

Unter gleichen Bedingungen, ist sich der baden-württembergische Taxi-Chef sicher, würde „sich das Thema Uber schnell erledigen“. Laschuk hat deswegen eine deutliche Forderung an die Politik: „Uber-Fahrzeuge müssen genau wie Taxis konzessioniert und begrenzt werden und dem örtlichen Marktgeschehen angepasst. Dies würde ich übrigens auch für den Mietwagen fordern.“ Stattdessen plant die Regierung aber den Markt für Fahrdienste weiter zu öffnen, wie auch heise.de berichtet.

Uber in der Kritik: Kooperation mit Taxis in Berlin

Bei Uber kann man diese Kritik nicht nachvollziehen. „Wir arbeiten bereits sehr gut mit mehr als 1.000 Taxis, alleine in Berlin zusammen und haben von unserer Seite überhaupt kein Problem mit Taxis“, erklärt Unternehmenssprecher Tobias Fröhlich auf Anfrage von echo24.de*. „Im Gegenteil, wir sehen Taxis als Partner und als wichtigen Bestandteil im Mobilitätsmix.“

FahrdienstFunktionIn Deutschland verfügbar?
UberXFahrgastvermittlung an Mietwagen mit FahrerJa
UberBlackFahrgastvermittlung an Luxusmietwagen mit Fahrernur in München
UberPremiumFahrgastvermittlung an Premiumwagen mit Fahrernur in Berlin
UberBlack SUVFahrgastvermittlung an Luxusmietwagen SUVs mit Fahrernein
UberWAVFahrgastvermittlung an behindertengerechte Fahrzeuge mit Fahrernein
UberPopFahrgastvermittlung an private Fahrer mit Autonein (Verbot)
Uber TaxiFahrgastvermittlung an reguläre Taxisja
UberPoolFahrten mehrerer Personen in die gleiche Richtung werden gebündelt. Die Fahrgäste teilen sich den Preisnein
UberXLFahrgastvermittlung an Großraum-Fahrzeuge mit Fahrerja
UberVanFahrgastvermittlung an Großraum-Fahrzeuge mit Fahrerja
UberGreenFahrgastvermittlung an Elektroautos mit Fahrerja
UberJumoVermittlung von E-Rollern und E-Fahrrädernja

Neben UberX vermittelt das US-Unternehmen über seine App also auch Taxi-Fahrten. Genau wie die Taxifahrer haben auch die Fahrer bei Uber einen Personenbeförderungsschein. Auch die Kritik Laschuks das bei Uber nur der Konzern verdienen würde, nicht aber die Fahrer und Unternehmen kontert man bei dem Mobilitätsdienstleister.

Uber in der Kritik: Fahrdienst kontert Taxi-Kritik

„Bei den Mietwagenvermittlungsservices (UberX, Green, Premium) arbeitet Uber in Deutschland ausschließlich mit lizenzierten und IHK-geprüften Mietwagen-Partnern zusammen. Deren Fahrer sind sozialversicherungspflichtig angestellt und verdienen in der Regel deutlich über dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn“, schreibt das US-Unternehmen in seinem Blog.

Zudem sind die Fahrer europaweit gegen Krankheitsausfälle und Unfälle versichert. „Die Versicherung ist für die Partner kostenfrei, die Beiträge werden von Uber gezahlt. Die Lösung hat europaweit Modellcharakter für viele andere Branchen, in denen Menschen als Selbständige ihrem Lebensunterhalt verdienen“, versichert Uber. Wird eine Fahrt an ein reguläres Taxi via Uber Taxi vermittelt, gelten die Regeln des Taxigewerbes.

Uber in der Kritik: Pilotprojekt auf dem Land

Zusammen mit dem Taxi und einem Mix aus ÖPNV, Car- und Bikesharing sieht Uber hier die Möglichkeit, den Verzicht auf das eigene Auto weiter zu erleichtern. Vor allem im Pooling - das in Deutschland aktuell verboten ist - liegt laut dem US-Konzern eine Chance, die Anzahl individuelle Einzelfahrten zu reduzieren. Stattdessen fahren mehrere Fahrgäste, die eine ähnliche Route haben, zusammen.

Aber bei Uber denkt man auch weit über die Grenzen der Städte hinaus. Im Großraum Stuttgart, der Region Duisburg und in Teilen Brandenburgs sind die Autos von Uber heute schon auch außerhalb verfügbar. Seit Juni 2020 läuft in Falkensee bei Berlin ein Pilotprojekt, bei dem Uber Fahrten vom und zum ÖPNV zum Festpreis anbietet. *echo24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netwerks.

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